Ferdinand in Finnland
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EuroNight Johannes Keppler

Berlin feiert gerade den 125-jährigen Geburtstag seiner Stadtbahn. In einem großen Bogen führt ein Schienenstrag auf Stelzen von Westen nach Südosten durch das ehemals geteilte Zentrum der Stadt. Dieses Konzept ist in Dresden nicht ganz unbekannt: Hier sind es, von West nach Ost, Neustädter Bahnhof, Mitte und Hauptbahnhof, während es dort Zoo, Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof, Alexanderplatz und Ostbahnhof sind. Zwar wurde und wird Dresden nur durch die Elbe geteilt, aber diese Teilung wurde an diesem Abend sehr deutlich.

Um der Bombadierung Dresdens zu gedenken, marschierten auch in diesem Jahr rund 1.500 (Neo)Nazis in einem "Tauermarsch" zu klassischer Musik von Richard Wagner entlang der Elbe. Hardrockklänge kamen dagegen von einem Lautsprecherwagen, der in einer Gegendemonstration vieler schwarz gekleideter Menschen fuhr. Die einen sprachen davon, dass nicht, wie von Historikern behauptet, 25.000 Menschen von Alliierten Bomben getötet wurden, sondern 250.000, die anderen hatten Transparente auf denen stand "Deutsche Täter sind keine Opfer". Genauer kann ich nur den zweiten Standpunkt beschreiben, den habe ich deutlich näher miterlebt.

Die Demonstrationen dauerten bis spät in die Nacht und die Polizei hatte alle Hände (und Schlagstöcke) voll zu tun, um die beiden Gruppen auseinander zu halten. Nicht immer blieb es dabei bei Schubsereien, aber viel schlimmer wäre es wohl vor allem dann gekommen, wenn sich in der dunklen Stadt beide Gruppen begegnet wären. Irgendwann sollte der letzte Redionalexpress "Saxonia" von Dresden nach Leipzig abfahren und mit ihm fuhren einige von denen, die den Zug der Nasen durch die Stadt aufhalten wollten.



Er hätte sich am Neustädter Bahnhof wohl auch fürchten müssen.

Vom Hauptbahnhof, dem östlichen Endpunkt der Dresdner Stadtbahn, fuhr der Zug ganze zwei Stationen weit, bis nach Neustadt, der westlichen Endstelle. Dort sagte eine gemütliche Schaffnerin über das Lautsprechersystem durch, dass der Zug "unbestimmte Zeit auf Teilnehmer einer Demonstration" warten müsse - Anweisung auf oben, hieß es auf Nachfrage. Da die Gegendemonstration offiziell bereits seit dem späten Nachmittag beendet war, war uns schnell klar, dass es sich bei den angekündigten Demonstranten nicht um größtenteils schwarz gekleidete handeln würde, wie wir es waren, noch um Punks, wie sie mit uns im Großraumabteil saßen.

Das machte uns Angst. Und hier beginnt die Ausnahme vom vorgenannten Fall: Wir gingen zur Polizei, die vor dem Bahnhof stand, und fragten nach Informationen, mit wem wir in dem Zug noch zu rechnen hätten. Es dauerte ein paar Minuten bis der Gruppenführer mit seinem Vorgesetzten telefoniert hatte und wir gesagt bekamen, dass wohl rund 300 Rechtsradikale oder Nazis mit dem Zug mitfahren würden. Sie kämen wohl mit der nächsten oder übernächsten S-Bahn an. Daraufhin baten wir die Polizei, uns und die paar Punks vor denjenigen zu schützen, gegen die wir eben noch demonstriert hatten. Und der Einsatzleiter gewährte uns diesen Wunsch.

Wenige Minuten später - die Schaffnerin hatte die letzten beiden Wagons für die verspäteten Fahrgäste geräumt und alle rechtzeitig gekommenen in die erste Klasse gesetzt - wimmelte der Bahnhof vor gepanzerten Polizisten, als die erwartete S-Bahn einfuhr. Etwas nervös wurden die 300 Skinheads erwartet, doch aus dem Zug stiegen nur drei etwas müde Pendler. "Also müssen wir noch länger warten", erklärte die Schaffnerin und verdrehte die Augen. Die Polizei hatte inzwischen zugesichert, auch den Zug zu begleiten, und bei der Einfahrt in Leipzig wäre "nur noch grün und blau" zu sehen, die Kollegen in Leipzig wären also informiert.

Als eine weitere S-Bahn durchgefahren war, ohne die Meute mitzubringen, stellte jemand die Frage, warum der Zug denn nicht einfach fahren könne. Zur Antwort knurrte ein Polizeibeamter: "Es geht einfach nicht, dass wir das Gewaltpotenzial von 300 Rechtsradikalen über Nacht hier in der Stadt behalten." Ein Argument, das wir verstanden, waren wir doch eigens deswegen zur Gegendemonstration nach Dresden gereist.



Dieser hier heißt nicht Johannes Keppler, ist aber trotzdem Nachtzug.

Der nächste Zug der einfuhr war der EuroNight Johannes Keppler. Von Prag um 20.06 Uhr abgefahren, traf er über Roudnice nad Labem (20.58), Lavosice (21.09), Ústí n.L. hl.n. (21.28), Děčín hl.n. (an 21.48, ab 21.59), Bad Schandau (22.20) und Dresden Hbf. (22.51) um 22.58 Uhr in Dresden Neustadt ein. Der nächste vorgesehene Halt war Leipzig Hbf (an 0.07, ab 0.54) und am nächsten Morgen um 7.55 Uhr sollte der Zug in Wiesbaden eintreffen, allerdings ein Kurswagen auch in München. Die gemütliche Schaffnerin wurde recht hektisch, als sie den Zug ankommen sah, denn - das konnte man ihr ganz deutlich ansehen - sie hatte einen Gedankenblitz. Nachdem sie aufgelegt hatte, forderte sie alle ihre neuen 1. Klasse-Kunden auf, doch in den EN Johannes Keppler auszuweichen, wenn sie direkt nach Leipzig müssten. Die Erlaubnis dafür hatte sie sich gerade beim Fahrdienstleiter geholt.

Wenige Augenblicke später war der Regionalexpress "Saxonia" fast verwaist. Als der Zug anfuhr, blickten ihm nur die paar wenigen Punks etwas verlassen hinterher. Hoffentlich hat die Polizei den Zug dann trotzdem noch begleitet - sonst wäre dieses Vorkommnis doch keine Ausnahme.
14.2.07 22:38


Kohlenmänner

Die meisten Tagebaue um Leipzig sind inzwischen stillgelegt, nach und nach werden sie "renaturiert" und so entstehen im Leipziger Südraum mehr und mehr Seen. Früher kam aus diesen riesigen Löchern im Boden jene dunkelbräunliche Kohle, deren Geruch mir seit einigen Tagen jeden Morgen in die Nase sticht, wenn ich aus dem Haus gehe: dieser charakteristische Braunkohlegeruch. Schwer legt er sich um die Häuser und in die Straßen, in denen noch mit Kohle geheizt wird - und das sind einige, auch die Bernhard-Göring-Straße.



Braunkohletagebau

Seit die Blätter der Bäume vor meinem Fenster sich langsam verfärben, gelb, rötlich oder braun werden, werden meine Füße kalt, wenn ich am Schreibtisch sitze. Doch die Erinnerung an jenen Tag im warmen August ist noch nah, als sich unsere Hausgemeinschaft entschloss, gemeinsam Kohle zu bestellen: Im Hausflur hing ein Zettel, der die Preise für Böhmische, Lausitzer und Rekord-Brikett für Bestellungen im August und September angab. Der September war schon teurer als der August und für den Oktober wurden nur noch Fragezeichen angegeben - "Billige Sommerkohle" stand über dem Blatt. Außerdem warb die Firma damit, ein Familienunternehmen mit 127 Jahren Tradition zu sein.

Als die billigeren tschechischen Brikett dann im September geliefert wurden, war ich der einzige, der zu Hause war. Ein LKW mit offener Ladefläche fuhr vor, es stiegen zwei Männer mit vom Kohlenstaub geschwärzter Kleidung aus und fragten, in welchen Keller die Kohlen denn sollten. Leider war es ein Keller zum Hof, so dass sie die einzelnen Tragebutten durch die Einfahrt bringen mussten und nicht einfach über eine Schütte hinunterlassen konnten.

Die Brikett in die Trageeimer auf der Waage schaufelte der Chef persönlich, der mittelalte Eigentümer der Firma - es war aber nicht Kohlen Kluge, die Traditionsfirma von 127 Jahren, die letztes Jahr noch mit 126-jähriger Tradition geworben hatte, sondern ein Konkurrent im kleiner werdenden Kohlenhandel Leipzigs. Der Kleinere, Ältere von beiden, sein vielleicht 55 Jahre alter Angestellter, trug die Kohlen dann in den Keller und leerte sie dort. Schnell kam er ins Schwitzen, ging das Schaufeln doch schneller, als das Tragen. Nur einmal bekam er eine kleine Pause, als der Chef ans Telefon musste: ein Kunde brauchte einen Kostenvoranschlag zur Einreichung beim Wohngeldamt - "als ob die nicht wissen würden was die Kohle kostet" beschwerte er sich hinterher.

[Eigentlich sollte hier das Bild von einem Kohlenlaster sein, aber es gibt keine im Internet. Kohleheizung und Internet scheinen in unserer Zeit nicht kompatibel zu sein. Dafür eben die Kohlekumpel aus dem Ruhrpott:]



Weil ich etwas müsig neben dem Lastwagen stand und zusah, wie für jeden halben Zentner der in den Keller wanderte eine erst eine Kohle auf der Ladefläche aufgereiht wurde, und als die Hälfte der Kohle im Keller war, wieder eingesammelt wurde, bestätigte mir der Träger in seiner Pause, dass dies eine gute Kohle sei. Allerdings so stark sächsisch eingefärbt, dass ich nicht sofort verstand. Das schien ihm nichts auszumachen, denn er grinste mit seinem Mund, in dem noch ein paar vereinzelte faule Zähne im Unterkiefer steckten und erzählte einfach weiter: dass er die Wärme von einem Kohlenofen ja viel lieber habe, als die von einer Zentralheizung, weil man noch merke, wie es wärmer werde. Nur der Schutz in der Wohnung sei etwas unangenehm. Dann war seine Pause vorbei, und er musste sich wieder unter der Last der Kohle krümmen.

In die Butt wurde immer so lange eingeschaufelt, bis die Waage das erste Mal nach unten ausschlug. Dann legte er noch ein paar wenige Brikett von seiner Schaufel dazu und warf eine oder zwei wieder zurück, so dass das Gewicht zwar ruckelte, aber doch schwerer blieb als die Kohlenlast. Erst wunderte ich mich ein bißchen über diese Technik, doch schnell wurde mir einiges klar: Unter dem Werbezettel von Kohlen Kluge stand noch die Frage, ob man wieder mehr Kohle verbraucht habe, als im letzten Jahr. Falls das der Fall sei, solle man doch einmal das Eichamt bitten, die gelieferte Kohlenmenge zu überprüfen. Die Telefonnummer zum anschwärzen der Konkurrenz stand schon dabei.

Als alle 50 Abzählbrikett wieder auf den Haufen gewandert waren, wollte der schaufelnde Lieferant die Kohle sofort bar bezahlt haben. Als er mir die Rechnung gab, ging er auch noch auf seinen Kollegen ein, die Firma Kluge. Er gab mir einen Artikel aus der Leipziger Volkszeitung, in dem beschrieben wurde, wie eine Kohlenhandlung "aus dem Leipziger Süden" weniger kohlen liefere, als bezahlt wurden - rund 20%. Handschriftlich hatte er dazu notiert, um wen es sich handelte: "Fa. Kluge". Jetzt verstehe ich, warum Kohlenhändler schon zu Zeiten der DDR einen schlechten Ruf hatten: kaum einer hatte seine Waage geeicht.
20.10.06 15:27


Anden

Die Anden müssen ein wunderschönes Gebirge sein. Und die Bilder, die ich von dort gesehen habe, bestätigen das. Mit knapp 7000 Metern erreichen die Berge eine Höhe, in der das Atmen schwer fallen muss, der Himmel im Zenit dunkler wird und Schnee und Eis trotz der tropischen Hitze in den Tälern das ganze Jahr die ansonsten kahlen Felsen bedecken. Dabei ist die Gegend so unwirtlich und war lange weit entfernt von den Pfaden der weltweiten Touristenströme, dass sich erst in letzten Jahren Bergsteiger in nennenswerten Zahlen hierher gewagt haben.

Wege sind hier nicht markiert, Schutzhütten gibt es kaum. Will man hoch hinaus, ist man auf die Leistungen von Bergführern und Eseln angewiesen, auf die einen, um den Weg zu weisen, auf die anderen, um das Gepäck für die Basislager zu transportieren. Und Material wird vieles benötigt: von Kleidung und Bergausrüstung über Brennholz, Lebensmittel und Futter für die Esel muss alles mit in die Berge genommen werden.

Eine Tour beginnt mit dem Allradfahrzeug. Aus der exotisch anmutenden Indiostadt hinaus geht es bergan, noch durch ein paar abgelegene Dörfer, dann erklimmt der Jeep die steilen Serpentinen so weit, wie der Motor in der dünner werdenden Luft keuchen kann oder wie das Gelände auch nur halbwegs ausgebaute Wege zulässt. Hier liegen die Basislager, spätestens hier sollte man sich Bergführer und Esel buchen, wenn man höher hinaus will.



Selbst gemacht vom Bergsteiger: Andengipfel.

Und er wollte höher hinaus. Eigentlich immer wollte er so hoch hinaus, wie es ging, immer die Grenzen antesten, manchmal auch überschreiten. Wer sonst besteigt allein im November bei Sturm einen durchaus anspruchsvollen 4000er? Wer ist von 86 Stunden, die er in Berlin ist, 78 Stunden unterwegs und auf den Beinen? Wer sonst schläft höchstens jede zweite Nacht für ein paar wenige Stunden?

Und er ist hoch hinaus, bis auf den Gipfel eines 6000 Meter hohen Berges. Nicht alleine, sondern mit Bergführer. Die Esel sind schon weiter unten am Berg geblieben. Doch es ging ihm zu langsam, er wollte schneller. So stand er auf dem Gipfel, so wollte er mit dem Snowboard abfahren. Doch dort ist er auch geblieben.

Gletscherspalten sind gefährlich, das wusste er auch. Doch er hat sie nicht gesehen, nicht sehen können. Eigentlich ist dies der fast logische Abschluss eines erfüllten Lebens. Aber jeder Abschluss eines Lebens hinterläßt Schmerz, besonders dann, wenn er allzu früh geschieht. Ja, es tut weh, noch immer jeden Tag, auch wenn man meinen könnte, sechs Wochen sind viel Zeit, um sich an etwas zu gewöhnen.

Ich mag die Anden gerade nicht mehr besonders gut leiden.

Sicherlich werden es nach und nach weniger Ergebnisse werden, die hier zu finden sind:
- Altavista: Joppelandia
- Blogspot: endet am 4.8.2006
- Joppes Bilderbuch
- Altavista: Joppelandias Plazes
7.9.06 11:40


Nachbarn

Die Geschichte der finnischen Unabhängigkeit ist noch nicht besonders lange. Bis 1917 wurde das Land abwechselnd von seinen westlichen und östlichen Nachbarn kontrolliert, erschlossen, besetzt, ausgebeutet - ja nach Sicht. Zwar dauerte der Einfluss der Schweden länger - sie haben im Lauf der Zeit zahlreiche Siedler mitgebracht, die jetzt als Finnlandsschweden als Minderheit mit den weitreichendsten Rechten gelten - doch wurde die Unabhängigkeit 1917 unmittelbar nach der Oktoberrevolution dem russischen Zarenreich abgerungen.

Vor diesem Hintergrund könnte man meinen, die Finnen hätten Grund, sich von zumindest diesen beiden Nachbarn abzugrenzen. Norwegen, das dritte Land, mit dem Finnland eine gemeinsame Landgrenze hat, war selbst lange Zeit Opfer des schwedischen Großmachtstrebens. Doch die Abgrenzungen und subtilen Animositäten sind doch recht einseitig und auf Russland bezogen. Liegt die schwedische Erfahrung einfach länger zurück?

Ein Blick auf die Landkarte mag verdeutlichen, weshalb Russland und nicht Schweden bei einfachen Finnen negative Assoziationen hervorruft: Die 1100 Kilometer lange finnische Ostgrenze - gezogen 1941 nach dem Winterkrieg, der Verteidigung Finnlands gegen einen Überfall der Sowjetunion - gilt als die EU-Außengrenze mit dem stärksten Wohlstandsgefälle. Und dabei leben auf der anderen Seite die Karelier, ein Volk das über seine Sprache eng mit den Finnen verwandt ist.

Ein gutes Beispiel für die mangelnde gegenseitige Nachbarschaftsliebe nördlich des finnischen Meerbusens war im Juli am Himmel über Helsinki zu sehen: Der Horizont war dunstig, direkt etwas rötlich, obwohl der Himmel ansonsten wolkenlos war. Eindrücklicher noch war der Geruch. In ganz Südostfinnland roch es nach Rauch, als würde man am Lagerfeuer sitzen, vielleicht ein bißchen verdünnter und kälter nur. Die Ursache waren ausgedehnte Waldbrände in Nordwestrussland, die seit Tagen, Wochen gar, schwelten und sich weiter ausbreiteten.

Als in Helsingen Sanomat, der größten nordischen Tageszeitung, die wanchsende Feinstaubwerte kritisiert wurden und sich eine ältere Frau von der Ostgrenze in einem Leserbrief beschwerte, dass sie ihre Wäsche gar nicht mehr zum Trocknen ins Freie hängen könne, bot die finnische Regierung Amtshilfe an. Sie sei bereit Löschflugzeuge und Spezialisten zur Unterstützung der völlig überforderten russischen Feuerwehren zu schicken. Das schlug Moskau aber aus, so dass die Wäsche weiterhin nach Rauch stank, bis der Wind sich drehte und Regen brachte.



Die Mannerheim-Reiterstatue vor dem Reichstag in Helsinki

Doch auch in der Vergangenheit grenzt sich das offizielle Finnland vom Osten ab. Derjenige Mann, der am ehesten als Verteidiger der finnischen unabhängigkeit gelten kann, ein General namens Mannerheim, wird im ganzen Land mit Straßennamen, Statuen und Gedenksteinen geehrt. Sein Reiterstandbild vor dem Parlament wird als herausragende Sehenswürdigkeit Helsinkis gehandelt und im niedrigen Kiefenwald auf der sandigen Halbinsel von Hanko wird mit großen Hinweisschildern auf der Nationalstraße beworben.

Biegt man dann tatsächlich von der ausgebauten Straße zum südlichsten Zipfel finnischen Festlandes ab, endet die Teerstrecke schnell. Vorbei an geisterhaft verlassenen und verfallenden Betonbunkern, häßlichen Einfamilienhäusern aus den 50er und 60er Jahren und dem Fuhrpark eines Entworgungsunternehmens gelangt man auf einen schlaglochübersäten Waldweg. Weitere Schilder ermutigen den Besucher, doch jetzt nicht aufzugeben und zurück zur Nationalstraße zu fahren. Wer weiter in den Wald vordringt gelangt schließlich an einen großen roten Stein. Die Inschrift gibt an, dass er diejenige Stelle markiere, an der Mannerheim stand, als er den Befehl gab die russischen Truppen anzugreifen, die bei Hanko ihre Stellungen hatten. Sonst gibt es nur eine Gabelung der Waldwege, die beide in die endlose Leere des finnischen Waldes führen.

Die Unterschiede in den Beziehungen zu den beiden Nachbarstaaten verdeutlicht dieser Stein ganz besonders: während auf der nahen Nationalstraße russische LKW der finnischen Wirtschaft zum Wachstum verhelfen, markiert der Stein den Krieg mit dem östlichen Nachbarn - mit einer Inschrift auf finnisch und natürlich auch schwedisch!
8.9.06 19:08


Nicht alle rot...

Nein, heutzutage sind sie nicht mehr alle rot. In den etwas größeren, dichter besiedelten Ortschaften hat der Trend schon vor längerer Zeit eingesetzt. Aber jetzt findet man sie auch auf dem Land, insbesondere unter den neueren.

Der Sommer ist die Zeit, zu der Holzhäuser errichtet werden. An den sandigen Nebenstraßen im südlichen Finnland, dem "Staufinnland" wie es von den Leuten aus dem Norden genannt wird, stehen im späten Sommer viele bleiche, kahle Balkengerippe, ohne Dach, ohne Wände. Aber wenn alles gut geht, sind sie bis in den späten Herbst bezugsfertig und dann auch schon angestrichen. Neben dunklem Rot war auch ein etwas beiges Gelb schon lange unter den beliebten Holzhausfarben. Blautöne, helleres Rot und sogar kalte, grünliche Töne sind zu finden.

Gebündelt werden die neuesten finnischen Wohntrends bei der jährlich stattfindenden Wohnungsmesse. Für mehrere Wochen im Sommer werden die Wohnungen und Häuser in neuen, speziell dafür ausgesuchten Wohngegenden für Besucher geöffnet. Nicht nur Fachbesucher für Inneneinrichtung und Architekten interessieren sich für die Ausstellung, auch einfache Häuslebauer, solche die es werden wollen und solche die es einmal waren, drängen sich durch die Wohn-, Schlaf-, Badezimmer und Küchen. Eine Freundin etwa, Henna, die sich gerade mit ihrem Freund ein Haus baut, hat jedes einzelne der um die 100 Badezimmer photografiert, um daraus etwas ganz eigenes zusammenzustellen.



Hier ganz in rot...

Aber die Messe ist in die Kritik gekommen. Genannt wird als Grund für den Einbruch der Besucherzahlen - immerhin haben 30.000 Menschen weniger Eintritt bezahlt als erwartet -, dass die Schau zu nahe an Helsinki war, in Espoo. In der selben Gegend, der Hauptstadtregion mit rund 1 Millionen Bewohnern, war sie bereits in der Vergangenheit veranstaltet worden. Das ändert nichts daran, dass noch rund 270.000 durch die Wohnungen gezogen sind. Ein Mieter in den neuen Wohnungen teilte die Klage der Veranstalter nicht, kann er doch nun endlich zurück in seine Wohnung ziehen. Und auch den Negativrekord in Bezug auf Besuchermassen hatte Oulu zu verzeichnen, eine Stadt mit rund 100.000 Einwohnern, wo 2001 "nur" 219.000 Messebesucher zu verzeichnen waren.

Noch vor zwei Wochen wusste Henna nicht, welche Farbe denn nun ihr neues Haus bekommen sollte. Von der Messe hat sie zwar Anregungen mitbegracht, sich aber noch nicht entschieden. Falls ihr sonst nichts einfällt, wird es eben ganz traditionell: rot.
21.8.06 18:13


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