Ferdinand in Finnland
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Erste Eindr?cke aus Turku. Der folgende Beitrag wurde auch von Silta - Br?cke, einer finnisch-deutschen Zeitschrift, abgedruckt.

Seltsam, wenn es so fr?h am Tage dunkel wird. Je nach Grad der Bew?lkung ist es zwischen halb f?nf und f?nf stockdunkel. Der D?mmerzustand f?ngt im Umkehrschluss schon nach einem sp?ten Mittagessen an, w?hrend der nachmitt?glichen Kaffeepause verschwindet dann die Sonne und die Nacht bricht herein. Dem ?ffentlichen Leben tut das aber keineswegs Abbruch: Sch?ler kommen in einer Kolonne vom Sportplatz zur?ck zur die Schule, Eltern holen ihre Kinder aus der Tagesst?tte, die Gesch?fte sind weiter ganz normal ge?ffnet. Selbst auf dem Marktplatz werden an erleuchteten St?nden noch frisches Gem?se, Obst und Blumen angeboten, obgleich sich die meisten Verk?ufer an den nat?rlichen Tag halten, der eben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dauert.

Trotz des gesch?ftigen Treibens erweckt alles den Eindruck der Dunkelheit. Es erscheint als w?ren die Stra?enlaternen gedimmt, die Autoscheinwefer lediglich auf Standlicht eingestellt und selbst die angestrahlten Sehensw?rdigkeiten bleiben blasser und dunkler als in einer normalen Nacht. Ungl?ckliche Studenten fangen zu dieser Zeit ihre Vorlesung an, bevor die Sonne aufgegangen und beenden sie, nachdem sie untergegangen ist. Offenbar ist es Tag und wieder Nacht geworden, w?hrend der Professor sprach. Oder war es etwa gar nie Tag gewesen? Morgens hat es doch ged?mmert, oder t?uscht die Erinnerung daran? Wie dem auch sei, der Tag ist ja - der Blick auf die Uhr best?tigt das - noch lange nicht vorbei. Nur was anfangen in dieser Dunkelheit?

Einige Stunden nach Einbruch der Dunkelheit zeigen auch die Uhren an, dass es Abend geworden ist. Kleine Gr?ppchen von Menschen, meist sind es Paare, manchmal drei oder vier Personen, ganz selten einmal mehr, beginnen sich im Foyer des Konzertsaales zu sammeln. Von au?en nur durch die fehlende Leuchtreklame von einem Kaufhaus zu unterscheiden, erf?llt das Geb?ude so ziemlich alle Klischees eines funktionalen Baus: wie ein gro?er flacher Quader auf einer H?gelkuppe fallengelassen. Nur langsam passen sich die nat?rliche wie st?dtische Umgebung seit den 1960er Jahren daran an, er selbst ist aber zu keinerlei Kompromiss bereit. Die einzige Ausnahme hiervon sind die f?nf direkt nebeneinander gelegenen Eingangst?ren: die werden immer h?her, je weiter der Boden hangabw?rts nachgibt.

W?hrend immer mehr kleine Gruppen von Leuten durch den inzwischen abflauenden Feierabendverkehr in das Konzertgeb?ude dr?ngen, gewinnt die Nacht immer mehr an Berechtigung. Ihre Unnat?rlichkeit ist gewichen, sie rundet inzwischen sogar das Bild ab: durch sie hindurch kommen Wagen angefahren, halten kurz und lassen ?ltere Damen in Abendgarderobe aussteigen; sie verbirgt die letzten K?sse vor allzu neugierigen Augen, bevor das Liebespaar Hand in Hand in das helle Geb?ude tritt; sie gibt den Hintergrund ab vor dem Herren in langen M?nteln mit Hut und Handschuhen um Ecken biegen, und sich gegenseitig l?pfend gr??en und die T?ren aufhalten. Direkt neben den T?ren sammeln sich Fahrr?der an, abgestellt von Jungen mit b?bischem Gesicht und M?dchen unter deren Skijacken Rock und Strumpfhose zum Vorschein kommen. Sie alle halten sich nicht lange vor der T?re auf, sondern gehen z?gig dem Mozart-Violinkonzert entgegen. Hinter den doppelten Glast?ren erwartet sie ein gro?es aber niedriges Foyer, das hell erleuchtet noch viel l?nger und breiter wirkt.

Nur ein M?dchen steht noch l?nger drau?en und blickt die dunklen doch belebten Stra?en entlang. Ihr grellgelbes Fahrrad hat sie neben die anderen R?der gestellt und sich dann vor den T?ren postiert. Sie streift ihr gelbes Stirnband ?ber die langen, zu einem Zopf gebundenen, blonden Haare ab und steckt es zusammen mit den gelben Handschuhen in die Tasche ihrer gelben Jacke. Sie entfernt die Fahrradklammern von ihrer gelben Hose, zieht sich die gelben Wollstr?mpfe zurecht und blickt verdriesst auf den vorbeifahrenden Verkehr. Sie z?gert ein wenig, geht einige Schritte auf die Glast?ren zu, bleibt dann aber stehen und kehrt um. Nur noch vereinzelt eilen Passanten auf die Glast?ren zu und verschwinden in Richtung Konzert. Erst als ein weiteres M?dchen auf einem grellgr?nen Fahrrad um die Ecke biegt - in einer gr?nen Jacke, mit gr?ner M?tze, gr?nen Handschuhen und mit gr?ner Hose -, hellt sich die Miene des gelben M?dchens auf und gleich darauf verschwinden beide im erleuchteten Konzerthaus.
14.11.04 23:19





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