Ferdinand in Finnland
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Es scheint wieder einmal ein bi?chen: kleinste Eiskristalle wirbeln durch die Luft, vom Wind getrieben str?men sie bisweilen energisch und in dicken Str?men an meinem Fenster vorbei, manchmal werden sie ganz langsam und scheinen sogar in den Himmel gehoben zu werden. Und dann wieder wirbeln sie bunt durcheinander in alle Richtungen, drehen sich im Kreis und fliegen zur?ck dahin, wo sie in meinen Fensterausschnitt getrieben wurden, als w?ssten sie nicht wohin.
Einmal am Boden angekommen - auf B?umen und Geb?sch, Gartenz?unen und Laternen bleiben die lockeren Flocken nicht liegen, sammeln sie sich ?berall da, wo sich kleine Vertiefungen finden. Auf der Stra?e werden die kleinen Unebenheiten gef?llt, in den gefrorenen Pf?tzen die Hunde- und Fahrradspuren und der Rasen bekommt eine v?llig neue Struktur, wenn sich hinter den Halmen und B?scheln wei?e Flecken bilden. Auch an den Fensterb?nken h?ufen sich die Kristalle auf, etwas mehr in den Kanten, als auf den Fl?chen. Trotz der Dreifachglasscheiben scheinen sie ein bi?chen feuchter und schwerer zu werden, denn einmal am Fenster gelandet wieder sie nicht wieder weggehoben.
Hinter den Autos die hin und wieder vorbei fahren, wirbeln die die kleinen Eissternchen auf und in Wolken ?ber der Stra?e entlang dem Fahrzeug hinterher, bis sie sich in Wellenlinien wieder auf der Stra?e niederlassen. Eine etwas st?rkere B?e schiebt die Flocken wie W?stensand von einer Stra?enseite auf die andere, wo sie sich am Bordstein sammeln, ?ber einen Lattenzaun fliegen, oder wieder in das best?ndige Fallen und Wirbeln ?bergehen.
Die wenigen Fu?g?nger die sich bei K?lte und Wind hinaus wagen, lassen ihre Kaputzen tief ins Gesicht h?ngen und ziehen die Schultern hoch. Fast alle gehen schnell vor?ber: von der Bushaltestelle nach Hause; oder ungeduldig den Hund an der Leine zum schnelleren Schnuppern veranlassend; oder ihn einfach hinter sich herziehend. Nur der einzige Radfahrer den ich heute vorbeifahren habe sehen, schien sich nichts aus dem Schneetreiben zu machen: ganz gem?tlich, ohne M?tze und Handschuhe, lie? er sich den kleinen H?gel hinunter rollen und schaute dabei den vorbeitreibenden Flocken hinterher.
13.2.05 15:01


Mehr winterlich, wenn auch schon Anfang November...

Es war nett, f?r zwei Tage bei Freunden zu Besuch gewesen zu sein. Dennoch scheint es deutlich l?nger als einen Tag her gewesen zu sein, dass ich das letzte Mal im Zug sa?; der von der obligatorischen Sitzplatzreservierung zugewiesene Platz ist zwar viel leichter zu finden - offenbar merkt man sich das Nummerierungssystem - aber waren die Sitzpl?tze vorgestern auch so angenehm gewesen? Der zweite der beiden breiten und weichen Doppelsitze ist leer geblieben, so dass neben der Beinfreiheit auch noch viel Platz ist, um die Jacke abzulegen. Zudem darf ich diesmal vorw?rts fahren und der Speisewagen ist gleich der n?chste. Das ist auch so eine Sache, die ma?geblich zur Bequemlichkeit der Zugfahrten beitr?gt: Der Speisewagen ist eigentlich immer dabei und relativ gesehen zu den sonstigen Preisen auch nicht so sehr teuer. Ich gehe gerne einmal f?r einen Kaffee dorthin, vielleicht auch nachher, wenn der Zug abgefahren ist. Es ist noch recht fr?h am Tag, so dass wohl noch nicht die Mehrheit der anderen G?ste bei ihrem f?nften oder siebten Bier sitzen werden. Folglich werde ich wohl auch keine so b?se Geschichte zu schreiben haben wie Wiglaf Droste ?ber seine ICE-Fahrt von M?nchen nach Berlin, als sich am Nebentisch des Bordrestaurants zwei Finnen um die 50 betrunken haben. Aber so wie ich ihn kenne, ist das sowieso ?bertrieben gewesen.

Es ist schon d?mmrig, was aber nicht hei?t, dass es sp?t sein muss. Der Schnee drau?en hellt zur Zeit die Tage um einiges auf, was sehr angenehm ist. Das ist, wenn man die Einheimischen fragt, einer der gro?en Nachteile an Turku, dass es normalerweise erst so sp?t im Jahr schneit, weil das Meer l?nger braucht, bis es abk?hlt. Im Moment scheint aber gerade eine Ausnahme in S?dfinnland zu sein: Ende November liegt schon eine Menge Schnee, der aber - so wurde es angek?ndigt - auch wieder wegtauen wird. Trotzdem haben wir den Schnee in den letzten beiden Tagen schon ausgenutzt, um uns nach der Sauna darin zu w?lzen. Um richtig hinzueinspringen reicht es noch nicht aus, aber es ist auch so kalt genug: auf dem Weg in den Schnee, sind die F??e leicht an dem metallernen Fu?abtreter angefroren. Vielleicht w?re es gef?hrlich gewesen l?nger dort stehen zu bleiben, aber man erschrickt schon ein bi?chen, wenn man an dem Fu?abtreter klebt. Aber es war ein
lustiger Saunaabend.

Auch ansonsten macht eine Stadt einen viel netteren Eindruck, wenn viel Schnee darin herumliegt. Die Weihnachtsbeleuchtung erweckt keinen so ?bertriebenen Eindruck, w?hrend sie sonst eigentlich immer viel zu fr?h kommt und einfach ?berladen wirkt. Die Autos fahren langsamer ?ber das glatte Kopfsteinpflaster, alles scheint ruhiger und gem?chlicher abzulaufen. Der Schnee schluckt auch den Schall, es ist still in den Parks, abseits der Wege kann man noch Spuren hinterlassen: alles wirkt wie neu, wenn wei?er Schnee das br?unlich-gr?ne Gras und das Grau der Stra?en und H?user heller macht. Besonders diese Stadt, Tampere, macht einen netten Eindruck, weil ich sie zuvor nur einmal kurz besucht hatte und das war im Sommer gewesen, ohne frisch gefallenen Schnee.



Der Zug hat im Bahnhof vor der Abfahrt immer einige Minuten Aufenthalt, bevor er seine Reise fortsetzt. Gerade steht auf dem Gleis vor meinem Fenster der Fernzug aus Lappland. Die teerschwarzen h?lzernen Schwellen sind zu einem gro?en Teil schneebedekt, nur an einigen Stellen hat der Fahrtwind der dar?ber hinweg rollenden Z?ge ein bi?chen der dunklen Unterlage freigeweht. An dem rostbraunen Fahrgestell klebt Schnee, von den Fenstervorspr?ngen h?ngen Eiszapfen. Die Abteilheizungen schmelzen Schnee und liefern das Wasser, der Wind drau?en die K?lte. An den ?berg?ngen zwischen den Wagons mehr Schnee und Eiszapfen - der Zug scheint eine weite Reise durch die verschneite Landschaft hinter sich zu haben. Ein Bahnarbeiter geht unter dem Fenster vorbei schl?gt mir einem gro?en Hammer auf die Bremsbl?cke, um sicherzustellen, dass sie nicht eingefroren sind.

Nachdem der Zug wieder angefahren ist, beginnt die alte Frau mir schr?g gegen?ber zu nie?en. Sie hat ein sehr faltiges, graues Gesicht und sieht d?rr aus. Sie reist in Begleitung ihres Mannes, der wohl, wie sie, etwa um die Siebzig sein d?rfte. Er allerdings ist rotbackig und wohl beleibt, hat sich in seinem Sessel zur?ckgelehnt und scheint auch noch den meisten Platz des Sitzes seiner Frau einzunehmen. Als die Frau das dritte Mal nie?t, wirft ihr Mann ihr einen tadelnden Blick zu, beginnt mitzuz?hlen und ungeduldig mit den Fingern auf die Armlehne zu klopfen. Mit kurzen Pausen zwischen den Intervallen, nie?t sie meist vier Mal direkt hintereinander, manchmal auch f?nf Mal. Bei 25 h?rt er auf zu z?hlen und blickt statt dessen aus dem Fenster. Als ich bei 32 das Z?hlen aufgebe, h?rt sie auch mit dem Nie?en auf.

Aus dem Fenster blickend wird der Mann wohl das selbe gesehen haben, wie ich: weite verschneite Felder, ein paar Wege und Gr?ber dazwischen, am Horizont aber immer W?lder beginnen. Die Landschft ist weitgehend flach, nur ein paar kleine H?gel, rundgeschliffen vom Eis der Gletscher vor einigen tausend Jahren. Selten einmal ist blanker Fels zu sehen, nur dann, wenn ein H?gel zu steil ist, als dass der Erdboden auf ihm gehalten h?tte. In die ?cker eingestreut finden sich hin und wieder ein paar kleine Scheunen oder Unterst?nde f?r Vieh, das hier im Sommer weiden w?rde. Bauernh?fe finden sich noch seltener: sch?ne, niedrige Holzh?user, rot oder gelb angestrichen, umstanden von ein paar kahlen Birken, dazu ein oder zwei etwas h?here Wirtschaftsh?user. Und nat?rlich mehrere kleinere Schuppen, von denen einer die Sauna ist. Er wird aber nicht die ganze Zeit einen klaren Blick auf die vorbeiziehende Landschaft gehabt haben, denn die Lokomotive wirbelt, obwohl der Zug nicht besonders schnell f?hrt, die lockeren, kleinen Schneeflocken auf, so dass sie wie Nebel die Umrisse verschwimmen und die wenigen Farben verblassen lassen. Die D?mmerung tut ihr restliches und bald ist es dunkel.

Sich dem Ziel n?hernd, k?ndigt eine Lautsprecherstimme in drei Sprachen den Ankunftsort an: auf finnisch vor schwedisch und englisch. Gem?chlich rollt der Zug am Flu? entlang, dann durch ein Industriegebiet und schlie?lich parallel zur Bahnhofsstra?e auf das Gleis. Weil es keine Unterf?hrung gibt, m?ssen alle Passagiere zun?chst den Zug entlang laufen, bevor sie vor der Lok die Schienen ?berqueren k?nnen. Der Zug ist lang und nach der Fahrt im gut geheizten Gro?raumabteil gibt sich die Luft schneidend kalt. Wer seinen Mantel leichtsinniger Weise noch nicht ganz zu gekn?pft hat, holt das schnell nach und geht z?gigen Schrittes weiter dem Bahnsteig entlang. Am Anfang angekommen, kurz bevor ich in das Scheinwerferlicht der brummenden Lokomotive einbiege, f?llt mir noch ein Schild
auf, das an ihrer Seite angebracht ist: "Made in USSR".

Es ist erst kurz nach f?nf, als ich mit dem Fahrrad durch die verschneiten Stra?en fahre, aber es fast nichts los. Fu?g?nger sind wenige unterwegs, andere Fahrradfahrer gar keine. Auch Autos und selbst Busse scheinen viel weniger als gew?hnlich unterwegs zu sein. Der Dom steht angestrahlt aber verlassen da, nur der rie?ige Weihnachtsbaum ist neu - er muss ?ber das Wochenende aufgestellt worden sein, beleuchtet ist er aber noch nicht. Auf dem festgefahrenen Schnee der Stra?en l??t es
sich bequem radfahren, und der mangelnde Verkehr l?dt dazu ein in die erleuchteten Fenster an der Stra?e zu blicken. In den meisten der kleinen, gelben Holzh?user brennt das Licht, und ich erkenne Lampe und Decke sehr gut. Einige der R?ume scheinen als Bibliothek genutzt zu werden, andere vielleicht als Wohn- oder Speisezimmer. Sie scheinen warm zu sein, und das Licht aus den Fenstern erweckt den Eindruck, als w?ren sie von Kerzen erleuchtet. Das w?re auch m?glich, denke ich mir, es ist der erste Advent. Aber schnell weiterradeln, es ist wirklich sehr kalt heute Abend. Und bald soll auch ich in meinem Zimmer sitzen und vorbeigehende den Eindruck von Kerzenlicht bekommen, wenn sie in mein Fenster sehen.
17.2.05 01:09


Nicht direkt Finnland, aber auf dem Weg dorthin:

So schnell wird man vom Gast zum Reisenden: Ein Anruf ein kleines bi?chen zu fr?h oder sp?t - jedenfalls war kein Empfang - und als das Gespr?ch dann angenommen wird, ist der Zug schon angekommen; man stellt dann fest, dass man heute wohl kein Gast mehr sein wird. Und erst einmal hat man auch keinen Platz zum schlafen, das Reisegep?ck lastet schwer auf den Schultern, die Stadt ist v?llig unbekannt, denn deren einziger einem bekannten Bewohner, h?lt sich ja gerade an einem anderen Ende des Landes auf. Es ist sp?t und schon dunkel, windig und k?hl. In dieser Situation schlie?e ich auch nicht mehr aus, in einem Park auf der Bank zu schlafen, den Schlafsack habe ich ja dabei, temperaturfest bis -15?. Aber erst einmal herausbekommen, ob es eine Jugendherberge gibt.

Eine Jugendherberge gibt es in Duisburg, und sie hat sogar noch Betten frei, wie sich feststelle, als ich an der T?r geklingelt hatte. Der Zivildienstleistende ist recht redselig nachdem ich darum gebeten habe geduzt zu werden. Er versteht das erst einmal gar nicht, denn ich sei doch Gast, und folglich macht er den selben Fehler auch noch einige Male. Aber er f?ngt er an zu erz?hlen und h?rt gar nicht mehr auf damit. Er sei Pole oder zumindest seine Eltern h?tten aus Polen "r?bergemacht" ins Ruhrgebiet. Und eigentlich w?rde er auch ganz gerne etwas mit Polen zu tun haben, wenn er sp?ter einmal arbeitet. Vielleicht wolle er Reiseverkehrswesen studieren und sich auf Osteuropa spezialisieren. Vorher m?sse aber eine Ausbildung sein, das wolle sein Vater so. Und bei der Arbeit in den Semesterferien wird man dann auch besser bezahlt. Aber wenigstens habe er seinem Vater ausreden k?nnen, dass er auch Schlosser werde, denn "die Telekom is viel besser". Aber das sei gar nicht so einfach, er habe sich jetzt schon einige Male beworben, aber in Duisburg sei die Arbeitslosigkeit eben eine der h?chsten im Pott, so um die 13 Prozent.

Es ist interssant, wie er spricht. Zum einen hat er einen leichten osteurop?ischen Akzent und in seinen S?tzen finden sich immer wieder Worte, die markieren, dass er Deutsch erst elernt hat, als er schon einige Jahre alt war. Vieles von dem was er berichtet, ist "krass, Mann". Zum anderen spricht er aber ein grobes Rheinisch, wie es eben in Duisburg gesprochen wird. Er fragt mich, ob ich denn mit in die "Disse" wolle, wenn er "Schicht" habe. Er w?rde in die Zeltdisco gehen, die nur einige hundert Meter weiter ist, wenn ich mitk?me. "Dat iss escht wat, voll krass, Mann."

Ich lehne ab und sehe mir lieber noch den Landschaftspark an, der direkt neben der Jugendherberge liegt. Unter l?ngst stillgelegten Gleisen f?hrt eine bunt grafittierte Unterf?hrung durch. Die meisten Lampen sind trotz der starken Vergitterung eingeschlagen und vor den Stufen wieder nach oben liegt eine Fahrradleiche; offenbar wurde sie nach einigem maltr?tieren die Stufen hinuntergestossen. Da der Mond nicht scheint und die einzige Beleuchtung das Streulicht der Stadt ist, dauert es eine Weile, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gew?hnen. Zwar sind die Sterne sch?n zu sehen, aber das wenige Licht der Unterf?hrung reichte aus, um meine Augen auf Minuten zu blenden. Als erstes ist ein backsteinerner Industrieschornstein zu erkennen, um dessen Spitze wie ein Heiligenschein ein gr?nlicher Lichtring liegt. Etwas weiter steht ein zweiter mit einem roten Lichtkranz. Dann werde ich der bunten Lampen gewahr, die die Enden einiger rie?iger Geb?ude markieren, die sich langsam gegen den etwas helleren Himmel abzuheben beginnen: viele gr?ne und rote, einige t?rkise, wenige gelbe Lampen. Ich h?re Schritte aus der Dunkelheit, die so klingen, als ginge jemand auf metallernem Untergrund und dazu leise Unterhaltungen. Bald kommt eine Gruppe von Menschen auf mich zu, und ich gehe in die entgegengesetzte Richtung, um die Stufen zu finden.

Tats?chlich sto?e ich auf die st?hlerne Treppe, die mich in eine gro?e dunkle Industriehalle f?hrt. Auf einer Hinweistafel stehen Erkl?rungen, die ich in der Dunkelheit allerdings nicht lesen kann. Das Licht einer der gr?nen Scheinwerfer reicht jedoch aus, so dass ich den Weg zu einer weiteren st?hlernen Treppe finde, die steil nach oben f?hrt. Ihr folgend gehe ich entlang an vielen Rohren, die meisten nur mehrere Zentimeter stark, manche auch etwas dicker, und die gr?ssten mit mehr als einem Meter Durchmesser. Die Leitungen f?hren in einem un?bersichtlichen Gewirr hin und her, lose Kabel h?ngen an einigen Stellen aus ihren Leitungsrohren, Stellr?der und ?berdruckventile sind an den Leitungen angebracht. Der Wind nimmt an den exponierten Stellen so zu, dass es unheimlich wird weiter nach oben zu steigen. In der Dunkelheit ?berkommt mich manchmal das Gef?hl der Wind k?nnte mich ?ber das Gel?nder heben. Je weiter nach oben ich steige, desto mehr Lichter der mich umgebenden Stadt werden durch die Stufen und an den Zwischenpodesten sichtbar.

An einer Plattform angekommen, f?hrt der Weg zun?chst durch das Innere des Durcheinanders von Rohren und Kabeln. Aus einem mehrere Meter dicken Rohr ist ein St?ck herausgeschwei?t, so dass man ins Innere gehen kann. Es ist drinnen so dunkel, dass ich mir nur mir F??en und H?nden tastend fortbewegen kann. Auf die hellere Stelle an der Wand zugehend erkenne ich, wie die gr??ten Rohre mit Handteller gro?en Muttern zusammengeschrabt sind und Schwei?n?hte, mehrere Finger breit, befestigen sie in ihren Halterungen. Es ist ein sehr komplexes Gewirr aus Rohren, die Logik die hinter ihr stecken muss, ist nicht erkennbar und auch der Sinn dieser anh?ufung aus Metallrohren ist nicht ohne weiteres zu erkennen.

Nach dem Durchgang durch die hellere ?ffnung in der Rohrwand, gelange ich auf eine weitere Treppe, die steil aufw?rts f?hrt. Nach der ersten Wendung an einem Zwischenpodest, f?hrt die Treppe durch das grelle, t?rkise Licht eines Scheinwerfers. Das macht es mir m?glich eine Hinweistafel zu erkennen, die andeutet, dass ich mich bereits etwas ?ber 85 Meter ?ber dem Erdboden befinde. Und tats?chlich markiert der Scheinwerfer das obere Ende dieses Geb?udes. Das motiviert mich zum weitergehen, so dass ich schon bald, zwar noch vom T?rkis geblendet und wegen der Anspannung bei den starken Winden mit stark klopfenden Herzen - oder war etwa doch der Aufstieg anstrengend? - auf einer Plattform stehe. Nach oben hin sind nur noch die Sterne zu sehen und einige Stahltr?ger Rohre und andere Konstruktionen, die etwas h?her hinauf reichen. Nach unten hin ergie?t sich ein ganzes Meer aus Stadtlichtern: Autobahnen, Stra?enlaternen, ausgeleuchtete Fenster, Eisenbahnen. Und am Horizont sind rote Markierungslampen zu sehen, weitere gro?e Geb?ude, aber viel weitere weg. Au?erdem sind von dem Haufen aus Rohren und Leitungen viele in bunten Farben angestrahlt, so zum Beispiel ein meterdickes Rohr, das zu einem anderen ?hnlich hohen Geb?ude f?hrt, das aber in seiner Siloform eher langweilig schlicht ist im Vergleich mit diesem Geb?ude.



Der Landschaftspark Nord in Duisburg

Noch immer geblendet h?re ich Schritte auf der Plattform und werde mir bewu?t, dass ich nicht alleine bin hier oben. Ein Hobbyfotograph versucht gerade eine ?berdimensionale Fahrradkette zu fotografieren. Weil die Aufnahme bei der Dunkelheit etwas l?nger dauert, f?ngt er an mir zu erkl?ren, was es mit diesem ganzen Landschaftspark ?berhaupt auf sich hat. Bis in die sp?ten 1980er Jahre sei hier von Thyssen in Hoch?fen Eisen und Stahl aus Erz geschmolzen worden. Dann habe die Firma das von Altlasten verseuchte Gel?nde aber aufgegeben und an die Stadt verkauft. Die h?tte den Erdboden gereinigt und dabei seien noch ein gutes Duzend Bomben aus dem Weltkrieg gefunden wurden, denn die Hoch?fen seien eines der am st?rksten auf's Korn genommenen Ziele gewesen. Ein Lichtk?nstler, der auch immer die Lichtshows von Pink Floyd mache, habe die Geb?ude dann so bunt ausgeleuchtet. Das ganze sei dann der ?ffentlichkeit zug?nglich gemacht worden und sei nun in einem Status eines "geregelten Verfalls". Nach einer weiteren Langzeitbelichtung erkl?rt er die Eigenheiten des rie?igen Gel?ndes: Es w?rden hier jetzt F?hrungen gemacht, um zu erkl?ren, wie das ganze funktioniert habe und es g?be noch die Erz- und Koksbunker. Au?erdem habe das Gebiet einen F?rster, der gelegentlich Besucher auf Besonderheiten in der Flora im Landschaftspark aufmerksam macht. Und davon g?be es einige, denn seit die Hoch?fen in den 1920er Jahren in Betrieb gegangen sei, w?ren die Rohstoffe von fast allen Kontinenten gekommen und mit ihnen Samen aus aller Welt. Jedenfalls sei das ganze jetzt ein Landschaftsdenkmal, das nach und nach in sich zusammenfallen w?rde. Nur einige Dinge seien da herausgenommen worden: Eine Freiluftb?hne direkt vor einem der alten Hoch?fen, einige Betonw?nde, die der Alpenverein als Kletterw?nde nutzt und ein Gasometer, das der Tauchverein mit Wasser gef?llt hat und jetzt als Trainingsbecken nutzt. "Ach, und als letztes haben sie die Zeltdisko und das IKEA 'rausgenommen".

Inzwischen an die Dunkelheit gew?hnt, ist es ein Leichtes, die Disko ausfindig zu machen. Auf das blaue Ikea-Geb?ude muss ich mich mehrmals hinweisen lassen. Und erfahre dabei, dass es wohl in zwei Wochen er?ffnet werden wird, die Disco dr?hnt her?ber, und scheint genutzt zu werden, was ja auch der Zivi best?tigt hat. Etwas weiter bremst quietschend ein Zug auf einem Bahndamm und rangiert. Von seinen Waggons steigt Rauch auf und sie leuchten leicht r?tlich, als w?rden sie Lava tansportieren. Der Fotograph, darauf angesprochen, wei? auch gleich eine Erkl?rung dazu: Die Firma Thyssen habe sich nicht ganz aus Duisburg zur?ckgezogen, sondern sei lediglich auf die andere Seite der Rheines gezogen. Das seien die hohen Geb?ude mit den roten Begrenzungslichtern am Horizont, zu denen der Zug wohl noch gl?henden Koks bringe. Dort sei vor wenigen Tagen ein neuer Hochofen eingeweiht worden, es stehe als wohl doch nicht so schlecht mit dem Standort Deutschland.

Nachdem mir ziehmlich kalt geworden ist im Wind auf dem knapp hundert Meter hohen Geb?ude, verabschiede ich mich von dem kompetenten Duisburg-by-night-F?hrer und steige, in den Knien von der K?lte leicht zitternd, die Stufen wieder hinab. Diesmal noch weiter hinunter, in die leeren Bunker, wo es noch dunkler ist, als sowieso. Zwischen den Gleisen hindurch, von wo die Erze und der Koks herunter gesch?ttet wurde, sehe ich den steren?bers??ten Himmel. Von der Disco in der N?he h?re ich "I'm a looser, baby" her?berschallen und das weckt in mir einige Assoziazionen, was ich ?ber Duisburg so alles geh?rt habe: H?chste Arbeitslosigkeit im Ruhrpott, ein neues hocheffizientes Stahlwerk ohne Arbeitskr?fte, der "geregelte Verfall" der Hoch?fen hier. Da zieht ein heller Punkt am Himmel meine Aufmerksamkeit an. Eine helle Linie zieht sich knapp ?ber dem Ziegelschonstein mit dem roten Lichtkranz entlang, dringt in den Orion ein und endet knapp ?ber dessen G?rtelline: eine Sternschnuppe f?r den Ruhrpott.
17.2.05 01:12




Finnland ist eben doch im Norden und es wird bisweilen kalt hier. Eigentlich hatte man das nach dem lauen Winter bislang nicht erwartet, aber gestern hatte ich auf dem Weg von der Uni - ich fahre noch immer und werde weiter Rad fahren - tats?chlich eine Pause machen m?ssen und mich aufw?rmen, weil die Handschuhe nicht so gut isolieren, wie der Name behauptet: Wohl doch eher thin als insulate.
17.2.05 23:42


Schon for einigen Jahren hatten die Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet, die die Regierungen dazu aufruft jugendliche Vertreter in ihre Delegationen zu den UN-Vollversammlungen aufzunehmen. Die nordischen Staaten und die Niederlande praktizieren das schon einige Zeit und in diesem Jahr hat auch Deutschland das erste Mal eine Stelle als Jugenddelegierter ausgeschrieben. Auf diese Stelle habe ich mich beworben, denn sicherlich w?re es einmal sehr spannend an einer Vollversammlung in New York teilzunehmen.
N?chste Woche findet ein m?ndliches Auswahlgespr?ch mit den Kandidaten statt, deren schriftliche Bewerbung ausgereicht hat (!) um zum Vorstellungsgespr?ch engeladen zu werden. Meine war da leider nicht dabei, gestern kam die Absage. Sicherlich schade einerseits, aber bei mehreren hundert Bewerbern ist das ja auch nicht unbedingt eine Schand. Das folgende Bild wird wohl vorl?ufig nicht zustande kommen:



Aber sicherlich gibt es noch einige andere M?glichkeiten, (!) einmal zur UN zu kommen. Das folgende Bild ist noch lange nicht ausgeschlossen:

22.2.05 21:06


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