Ferdinand in Finnland
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Es weht ein kalter Wind aus dem Norden, der Finger selbst in Handschuhen klamm werden l??t, und die Ohren schmerzen unter den M?tzen. Noch eine Stunde nach der R?ckkehr aus der Innenstadt f?hlt sich die Nasenspitze kalt an; der Handr?cken ist schon wieder empfindlich f?r Temperaturunterschiede, die Fingerspitzen werden daf?r wohl noch eine Weile brauchen. Ohne Bewegung f?ngt der ganze K?rper schnell an zu frieren. Erst der hei?e Tee bringt den Kreislauf wieder so in Schwung, dass l?ngeres Sitzen am Computer ohne zu frieren m?glich wird. Nur die F??e sind noch kalt. Und die H?fte f?hlt sich geprellt an.

Auf der Fahrradfahrt in die Stadt kamen viele Menschen entgegen. Die Gesch?fte hatten gerade geschlossen und die Kunden und Angestellten gingen an diesem Samstag Nachmittag ihrem freien Wochenende entgegen. Auch die Busse in die Stadt waren fast leer, die entgegen kommenden aber gut besetzt. Es war, als h?tte eine Flucht aus der sich schlie?enden Stadtmitte eingesetzt, in alle Richtungen str?mten die Menschen davon. Jedoch nur ungew?hnlich wenige Radfahrer waren unterwegs, was die ein bi?chen ihres studentischen Charakters beraubt hat.

Die Menschen hatten sich, ob sie nun an der Bushaltestelle standen, sich vor dem Bankautomat aufreihten oder vom Schlie?dienst aus den Gesch?ften gelassen wurden, ihre M?tzen tief in die Stirn gezogen. Ausnahmslos alle hatten eine Kopfbedeckung auf, um die Ohren vor dem bei?enden Wind zu sch?tzen. Vielen war eine M?tze nicht genug und so hatten sie noch die Kapuzen ihrer M?ntel und Windjacken aufgesetzt. Manche sch?tzten ihr Gesicht dazu teilweise durch den Schal, den sie ?ber Mund und Nasenspitze legten.

Aus dem wolkenlosen Himmel fielen einige Schneeflocken, die wohl aus dem wenigen Wasser in der klaren Luft ausfroren. Sie glitzerten im Licht, das sich schon recht flach von der tief stehenden Sonne auf die Stadt ergo?. Hinter den Fahrzeugen wirbelten kleine Eisflocken zwischen den Fahrspuren in Schnee und Firn, bildeten Schlangenlinien und verwehten wie Staub. Die Kristalle lie?en sich wieder in den Unebenheiten der Stra?e nieder, bis der Fahrtwind eines weiteren Buses oder eines Autos sie weitertransportierten.

Weil die Stra?en so angelegt sind, dass den langen Hauptverkehrswegen das Licht entlang schien, spiegelte der festgefahrene, vereiste Schnee das Sonnenlicht wieder, so dass ihm entgegenfahrende geblendet wurden und nur langsam und vorsichtig vorankamen. Die kurzen Querstra?en dagegen lagen schon im Schatten und die Menschen eilten ihnen entlang. In den langen Stra?en waren sie nicht bestrebt der K?lte davon zu laufen. Vielmehr gingen sie gem?tlich den lichtdurchflutenden Stra?en entlang und schienen die Sonne zu genie?en. Dabei war es nicht das w?rmende Licht, das die Wangen und Nasen der Passanten rot f?rbte, kein Sonnenbrand, sondern eine Folge des kalten Windes. Wer gegen das Licht ging, stie? hin und wieder gegen Passanten, denn die mit Splitt bestreuten Eisfl?chen der Gehwege umspiegelten sie v?llig im Gegenlicht. Sie bildeten keinen Kontrast gegen die ?berm??ige Helligkeit.

Von Schneer?umern aufgeh?ufte Schneeberge schmolzen auf der sonnenzugewandten Seite an, so dass der wenige wei?e Neuschnee von letzter Nacht sich in Eispf?tzen auf den Gehwegen verwandelt hatte. Darunter wurden die schmutzigen Unterseiten des Schnees sichtbar: mit Steinchen durchsetzte, von Ru? und Staub geschw?rzte Strukturen, die in bizarren Formen gegen das Sonnenlicht standen. Sie ragten weiter hervor, wo der Schnee verdichtet war und dort, wo Steinchen, Eisklumpen oder die letzten Bl?tter aus dem Herbst die direkte Einstrahlung verhindert hatten. Weniger dichte Stellen ohne Schutz gegen die W?rme des Sonnenlichts waren weggetaut. Auf der R?ckseite war das reine Wei? der letzten Nacht erhalten geblieben, und die Schneehaufen stellten ein seltsames Gebirge aus halb abgeschmolzenen Bergen dar.



Das Schmelzwasser war auch von den D?chern gekommen, hatte die Schneeschicht auf ihnen rutschen und sich ?ber die Dachrinnen neigen lassen. An den R?ndern der ?berstehenden wei?en Formationen hingen Eiszapfen, denn der kalte Wind lie? das Wasser schnell wieder anfrieren. Auch aus den Regenrohren ergossen sich Schw?lle von Eis. Manche hatten die Rohre v?llig verstopft, so dass an den Rinnen rie?ige Stalagniten aus Eis im Sonnenlicht glitzerten. Der Einfluss des Oberfl?chenwassers in den Flu?, ein einfaches Kanalrohr, wurde von einer gewaltigen Rotzfahne aus klarstem Eis verstopft und verziert. Die Eisdecke auf dem Wasser war an dieser Stelle von dem auf ihm lastenden Gewicht eingebrochen. Am ganzen Ufer entlang waren Br?che zu sehen, weil der Frost seit vielen Tagen verhindert hatte, dass neues Wasser in das Flu?bett gelangte und so der Wasserspiegel abgesunken war. Unter ihrem eigenen Gewicht waren die Eisplatten geborsten.

Es war, als w?re in der Innenstadt ein Wettstreit im Gange. Mal ?berwog die Kraft der Sonne und lie? das Wasser in einen fl?ssigen Agregatzustand ?bergehen. Dann wieder ging ein Eishauch durch die Stra?en, der in Sekundenschnelle alles Schmelzwasser erstarren lie?. Eis und Wasser standen im steten Wechsel und formten gemeinsam eine erstarrte Verzierung aller nach S?den gewandten Fl?chen und aller Stra?enecken. Und in der Kurve fand der Fahrradreifen auf dem Glatteis keinen Halt.
1.3.05 21:24


Das Wettrennen mit dem Ozeanriesen werde ich wohl nicht gewinnen. Als ich im Hafen von Turku war, hat der Dampfer gerade losgemacht und gewendet, w?hrend ich mich auf den etwas l?ngeren und komplizierteren Weg durch das Industriegebiet und ?ber die Eisenbahnbr?cke gemacht habe. Aber ich bin vor dem Schiff auf Ruissalo, einer der kleinen Sch?reninseln direkt vor Turku, angekommen. Am s?dlichen Ufer dieser langgestreckten Insel f?hrt ein Weg entlang, von dem aus man die enge Wasserstra?e zum Hafen ?berblickt. Es sind nur rund 300 Meter hin?ber bis zur n?chsten Insel und der Fahrweg der Schiffe wird auf nur hundert Meter breite eingeschr?nkt. Bei der Ein- und Ausfahrt der Schiffe man?vrieren die Kapit?ne zwischen den unz?hligen Inselchen hindurch, die so dicht beieinander liegen, dass man bisweilen den Eindruck hat das Wasser w?re eher ein See, als die Ostsee.

Als ich auf dem Uferweg ankomme, durchbricht das riesige Schiff nur wenige hundert Meter hinter mir die d?nne Eisdecke und schiebt die Schollen beiseite. Der leichte R?ckenwind hat es m?glich gemacht, dass ich trotz der schlechten Ausr?stung - mein eigenes Fahrrad l?ge im Krankenhaus, wenn es ein Lebewesen w?re - hier entlang radele und dabei nicht nur das Heck sehe. Au?erdem ist mir gut warm geworden bei dem Rennen. Auf den n?chsten Kilometern ?ber die verschneiten und vereisten Wege holt das Wasserfahrzeug langsam auf und pfl?gt vorbei. Dabei b?umen sich die Eisplatten vor dem Bug auf und platschen zur?ck ins Wasser. Es macht den Eindruck, als k?nnte man das Boot fast anfassen, so nahe scheint es zwischen den B?umen hindurch: hoch in den Himmel ragt es hinauf, die Menschen an Bord sind bis ins Detail zu erkennen, denn es ist nur einige zehn Meter entfernt. Die Reederei macht klar, dass das Ziel der Reise Stockholm ist und die Reisenden wohl die Nacht ?ber in den Kneipen, Restaurants und Bars an Bord verbringen werden.



Kaum bin ich bis auf die H?he des Hecks zur?ckgefallen, endet der Uferweg - ich muss mich immerhin nicht als der klare Verlierer in diesem Wettrennen f?hlen -, biegt ins Landesinnere ab und verwandelt sich in eine normale finnische Landstra?e zu dieser Jahreszeit: vereiste Spuren im festgefahrenen Schnee, das alles dick mit Splitt bestreut f?hren einen H?gel hinauf. Auf der H?he angekommen breitet sich vor mir ein flaches Tal aus, das aus verschneiten landwirtschaftlichen Fl?chen besteht. Nach allen Seiten hin steigen kleine H?gel an, die von kahlen Laubw?ldern gekr?nt werden. In den Feldern stehen einige kleine, rot gestrichene Scheunen verstreut, und die Landstra?e schl?ngelt sich durch das traute winterliche Bild.

Ihr weiter folgend gelange ich ?ber einige runde H?gel, durch kahle Laubw?lder durch die orange die sinkende Sonne scheint und vorbei an einigen im Wald versteckten Villen an das Ende der Insel. Von der Stra?e f?hrt ein verschneiter Waldweg die letzten hundert Meter bis an das Meer, aus dem weitere Bestandteile der Inselwelt ragen: bewaldete Inselchen und Felsen. Da es hier jedoch keinen Schiffsverkehr gibt, ist das Meer mit einer dicken Eisdecke ?berzogen. Die Sonne glitzert auf dem gefrorenen Wasser und n?hert sich dem Horizont. Ihr Licht taucht die Szenerie in ein warmes Licht. L?ge kein Schnee, ich k?nnte glauben ich w?re an einem einsamen Strand in einem warmen Land. Da Spuren von Fu?g?ngern im Schnee darauf f?hren, wage ich mich trotz der deutlich sichtbaren Spr?nge und Risse auf das Eis. Es f?hlt sich erhebend an auf dem Meer mit dem Rad zu fahren und ich fahre der Sonne entgegen.

Nach einigen hundert Metern endet der Windschatten der Landzunge, die von der Insel in das Meer hinaus ragt. Der kalte Wind l?sst das vom Radfahren warm gewordene Gesicht erstarren. Just an dieser Stelle endet auch die Schneedecke auf dem Eis, der Wind hat die losen Kristalle davongetragen und das graue Blankeis wird sichtbar. Als ich den Kopf in den Wind drehe um zu sehen, wo der so pl?tzlich her kommt, reicht die Reibung zwischen Fahrradreifen und Eis nicht mehr aus: das Fahrrad rutscht unter mir weg, ich st?rze auf das Eis. Es ist auch gar nicht so einfach wieder aufzustehen, denn noch mehrmals zieht es mir die Beine in alle Richtungen davon.

Als es endlich gelungen ist, fahre ich am Rand der Schneedecke entlang. An mehreren Stellen sind Bohrl?cher im Eis zu sehen die daher r?hren, dass sich jemand im Eisfischen versucht hat. Sie sind jedoch alle schon wieder mit klarem Eis zugefroren und mein Versuch eines von ihnen einzutreten scheitert kl?glich. Unter dem Gewicht des Fahrrads durchbrechen die Reifen die ?berfrorene Schneedecke und geben dabei ein wiederhallendes Knirschen von sich. Manchmal knistern Unregelm??igkeiten und Spr?nge im Eis, wenn ich dar?ber fahre. Beim Absteigen vom Fahrrad wirbelt mein Tritt in den Schnee viele kleine Eiskl?mpchen aus dem Schnee auf, die prasselnd wie Regen auf dem Bl?tterdach im Wald wieder auf das Eis fallen. An der Stelle wo der Schneerand auf die Landzunge trifft, haben sich die Eisschollen zu bizarren Figuren aufgeh?uft. Einige Bruchst?cke von beachtlicher Gr??e stehen nahezu senkrecht in den Himmel. Wo sonst Wasser und Eis zusammentreffen sind so tiefe Spalten in der Eisdecke, dass bequem eine behandschuhte Hand hineinpasst. Wasser ist jedoch nicht zu erreichen, denn dort unten hat sich eine neue Eisschicht ausgebildet.



?ber das Eis weht ungebremst der kalte Wind und obgleich die Sonne alles in ein warmes Abendlicht taucht, fr?stelt es mich. Dem eisigen Wind den R?cken zugekehrt, die M?tze tief ?ber die kalten Ohren gezogen, den Schal noch einmal fest um den Hals gewickelt, beobachte ich, sie die Sonne in der klaren und frischen Luft den Horizont ber?hrt. Eine Aura aus einem Kontinuum vom intensiven Orange der Sonne, ?ber ihren hellgelben Rand, weiter durch die Palette aller r?tlichen T?ne bis zu einem dunklen Violett und schlie?lich dem klaren Blau des Himmels umgibt den Stern. Rund um mich herum sehe ich den ganzen Horizont in allen Richtungen in orange-r?tlichem Licht aufleuchten.

Noch bevor die Sonne ganz versunken ist verlangt es mich nach Bewegung. Der Wind hat mich ausgek?hlt und nach der weglosen Strecke durch den verschneiten Wald schl?gt er mir als Gegenwind ins Gesicht. Die ganze Insel entlang sehe ich die Dunstfahne meines Atems schnell ?ber die Schulter verschwinden. Schon nach einer kurzen Strecke sind Finger- und Zehenspitzen kalt, auch die Kn?chel scheinen schlecht gesch?tzt zu sein. Das Gesicht aber f?hlt sich so an als w?rde es st?ndig von kleinen Nadeln zerstochen. Und die Ohren schmerzen die ganze R?ckfahrt ?ber, aber erst dann am schlimmsten, als ich zu Hause in die W?rme trete und sie betaste.
1.3.05 23:32


Die Sonne scheint und taut auf den S?dseiten den Schnee von den D?chern. In den Regenrohren pl?tschert das Wasser, es tropft hohl in den Fallrohren, str?mt als kleines Rinnsal aus der ?ffnung hervor und auf das Betonbecken von wo es weiter in seiner Rinne auf den Kanal zuflie?t. Aber schon nach einem guten Schritt sind die betonernen Formsteine vom Schnee bedeckt, dort wo die Hauw?nde nicht genug W?rme abstrahlen. Und der Schnee ist noch kalt. Auch die Luft ist kalt und so friert das Wasser unter der Schneedecke schnell wieder an, bevor es in den Kanal gelangt. Hin und wieder rumpelt es auf dem Dach und eine Schneelawine gleitet ?ber die Dachrinne. Es dauert nur Sekunden und dumpf f?llt der Schnee auf den Boden.

Auch die Schneeberge, aufgeh?uft von R?umfahrzeugen, tauen auf der sonnenzugewandten Seite an und werden schwarz. Unter der obersten Schneeschicht verbergen sich Steinchen und Sand und Staub und Ru?, die das Wei? erst schmutziggrau dann schwarz werden lassen. Es bilden sich bizarre Formen von festerem Schnee und Eis, die nicht so leicht abgetaut werden. Wenn sie ?berstehen bilden sich bisweilen kleine Eiss?ulen, die die Gebilde abst?tzen, so dass sie nicht in sich zusammenbrechen. Es wirkt im Profil, als w?rden Hunderte kleiner Finger mit spitzen N?geln sich gegen den blauen Himmel richten. Sie versuchen sich gegen ihre Zerst?rung durch die w?rmende Sonne zu wehren. Aber erfolglos: in unregelm??igen Abst?nden f?llt hier und da ein Wassertropfen, ein Steinchen oder gar einer der herausgeschmolzenen Finger. Sie fallen auf die tiefer liegenden Figuren und brechen diese mit ab oder beschweren sie und bereiten damit ihren Einsturz mit vor.

Weil seit Wochen kein Wasser mehr in die Kan?le gelangt ist, hat sich der sonst dr?hnend ?ber die Staumauer rauschende Fluss in ein B?chlein verwandelt, das den Felsbl?cken ausweichen muss. Der Teil des Damms der von den B?umen am Ufer beschattet wird ist mit einer Eisschicht ?berzogen hinter der das Wasser leise pl?tschert. Auch am Fu? des sonnenbeschienenen Teils haben sich gewaltige Gebilde aus Eis herauskristallisiert: runde Tropfsteine aus gelblich milchigem Eis, denn der Fluss f?hrt kein besonders klares Wasser. In runden Wallungen str?mte hier einst das Wasser, jetzt schleicht es kleinlaut unter den Eishauben entlang.

Felsbl?cke, sonst v?llig unter Wasser, stehen jetzt hoch in den Himmel. Der abnehmende Wasserspiegel l?sst sich an ihnen an den terrassenf?rmigen Eisplatten ablesen. An ihren Seiten hat sich in den kalten N?chten jeweils eine mehrere Zentimeter starke Eisschicht gebildet und diese ist festgefroren, auch wenn der Fluss weiter zur?ckgewichen ist. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind in letzter Zeit recht stark gewesen: bei klarem Himmel k?hlt die Luft schnell ab und die Sonne w?rmt sie w?hrend des Tags wieder auf. So hat denn die folgende Nacht hat eine weitere Schicht hinzugef?gt. ?hnlich m?ssen die Kalkterrassen von Pamukkale entstanden sein: st?ndig neue Ablagerungen haben im Laufe der Zeit faszinierende Formen entstehen lassen. Einige andere Steine wurden vorher ganz vom Wasser ?bersp?lt. Auch auf ihnen hat sich Eis angesetzt, jedoch als ein runder Hut. Die kalten Felsen haben jeden Tropfen da anfrieren lassen, wo er hingespritzt wurde. Weil kaum noch Wasser str?mt und die Sonne die oberste Schneeschicht abtaut, bilden sich Eiss?ulen, die so aussehen als w?rden sie den Eishut in die H?he halten.


Temperaturschwankungen

Wo das Wasser langsamer flie?t, sind auch auf dem Rinnsal Eisplatten erstarrt. Der fallenden Wasserspiegel l?sst sie jetzt ?ber dem Wasser stehen, so dass sie zwischen ihnen und dem pl?tschernden Wasser kleine H?hlen gebildet haben. Einige der Platten sind stark genug, dass sie das Gewicht eines Menschen aushalten, der zwischen zwei Steinen ?ber dem Wasser steht. Das B?chlein verschwindet hier unter dem Eis und kommt erst wieder in der Ostsee ans Tageslicht. Wo die Platten aber nicht einmal ihr eigenes Gewicht halten konnten, sind die an den R?ndern aufgebrochen. Wo das Wasser zwischen ihnen langsam aber stetig hervorgequollen ist, oder wo Schmelzwasser in die Spalten eingedrungen ist, haben sich massive und klarste Eisfiguren gebildet. So durchsichtig wie reinstes Glas, in runden und harmonischen Formen brechen sie das Sonnenlicht. Einige dieser gl?sernen Reinheiten reichen auch in der Wasser hinab und bilden sch?n geformte Runds?ulen, als w?ren sie aus Holz gedrechselte Altarverzierungen.

Der fallende Wasserspiegel macht sich auch dort bemerkbar, wo das Wasser im Sommer schon nicht mehr fr?hlich zwischen den Felsen umherspringt. Ein Felsblock der im ruhigen Wasser sonst gerade noch bis an die Oberfl?che reicht ist jetzt v?llig von Eis umgeben. Der Fluss ist schon seit langem so zugefroren, dass man gefahrlos darauf Skilaufen, Radfahren oder Spazieren kann. An dieser Stelle aber, sind die mehrere zehn Zentimeter dicken Eisplatten aufgesprungen. Die Schneedecke ist mit geplatzt und es muss laut geknackt haben, als diese Risse entstanden sind. Jetzt sieht es so aus, als w?rde eine Knospe versuchen durch das Eis zu brechen und dann als Baum oder Blume in den Himmel wachsen. Der H?gel steht so hoch von der Eisfl?che ab, dass die tiefstehende Sonne einen Schatten wirft.
6.3.05 15:34


Warum gibt es eigentlich keinen Schneebogen?

Meine Laune ist heute nicht besonders gut gewesen, eigentlich grundlos. Es ist alles so gelaufen, wie es sollte, vielleicht nicht "perfekt", aber doch immerhin nahe an "sehr gut". Die Pflichtaufgaben abgearbeitet und sogar noch etwas von der K?r geschafft. Aber deswegen hat sich trotzdem keine Zufriedenheit eingestellt. Und auch der Sonnenschein hat nicht so wirklich geholfen.

Aber wie w?re es, wenn sich nun ein Regenbogen zeigen w?rde? Ich erinnere mich an mehrere Gelegenheiten, wo das Farbenspiel des Sonnenlichts am Himmel einen sp?ten Sommernachmittag gerettet hat. Die Sonne schien recht flach unter die Wolkendecke aus der schwere Tropfen fielen, ein richtiger Platzregen. Die ersten Tropfen sind noch ganz sp?rlich und selten gefallen, dann wurde es pl?tzlich heftiger. Die Tropfen prasselten auf die noch warmen Stra?en und der Geruch von Sommerregen stieg von den feuchten Gehwegplatten auf. Und im Osten, gegen?ber der Sonne, schimmerte ein intensiver, weitgespannter Farbbogen durch die schwere Luft. Eigentlich nicht besonders gut gelaunt, aber dann auf dem Nachhauseweg vom pl?tzlichen Regen ?berrascht und das Farbenspiel beobachtend, hat sich die Stimmung gewendet, die Laune stieg erstaunlich schnell.



Das Wetter meint es gut mit mir und versucht sich wieder einmal in dieser Methode der Aufmunterung: Die tiefstehende Sonne scheint, als aus den vom Wind getriebenen Wolken Wasser f?llt. Aber Anfang M?rz ist es noch zu kalt und so f?llt der Schnee in dicken Flocken langsam und gem?chlich. Der Boden ist gefroren und mit Schnee bedeckt, der Geruch ?ndert sich nicht. Daf?r schimmert das Eis auf den Stra?en und Gehwegen im Sonnenlicht golden auf und die Flocken blitzen auf. Der Sonne gegen?ber ist heute kein Farbenspiel zu finden, es bleibt beim einfarbigen Glitzern. Das reicht aber leider nicht aus, meine Laune verbessert sich nicht. Stattdessen ziehe ich meinen Schal noch einmal zurecht, schiebe die M?tze tiefer in die Stirn und mache mich auf den Weg nach Hause.

Warum gibt es keinen Schneebogen?
10.3.05 23:06


Zu Besuch gewesen, am Abend da drau?en, au?erhalb der Stadt, in einem alten Bauernhof. Ein altes, gro?es Holzhaus, der neueste Anbau ist wohl von 1904, wie die Inschrift am Giebel verr?t, der Rest muss ?lter sein, vielleicht sogar viel ?lter. Die Decken sind niedrig, die W?nde ganz aus Holz und dann mit Stroh ausgestopft. Au?en rot angestrichen, wie sich das geh?rt, innen mit Wandteppichen behangen, das isoliert noch ein bisschen mehr. Dicke Teppiche auch auf dem Boden. Weil das Haus so alt ist, und weil es in einer langen Tradition von Bauern vererbt wird, haben sich darin viele Dinge angesammelt: von Jagdtroph?en, ?ber alte M?bel, hin zu historischen Gem?lden mit finnischer Landschaft. Und alles sehr feierabendlich eingerichtet: von der Arbeit nach Hause, zur Zeit wohl eher im Wald als auf dem Feld, noch die Tiere versorgt, den Ofen angefeuert und im bequemen Feuilleton das Holz im Ofen prasseln h?ren. Dazu vielleicht eine alte, knackende Schallplatte, die sich ebenfalls in einer Ecke t?rmen, oder Radio, wahrscheinlich Langwelle, w?rde jedenfalls besser passen.

Aber ganz so ist es nicht mehr, es ist kein wirklicher Bauernhof mehr, weder Hausherrin noch Hausherr k?mmern sich um die Tiere im Stall, um den Bewuchs auf Wiesen und Feldern, um den Traktor. Statt dessen steht nur ein grob zusammengezimmerter Kaninchenk?fig im Wohnzimmer mit des Vaters geliebtem Hase und bringt einen gewissen Funktionalismus in den sonst so repr?sentativen Raum. Oder eben einfach ein Wohnzimmer, ein Wohlf?hlzimmer. Das ist alles, was es an Bauernhof noch gibt. Der Stall im Sommer voll von Ferieng?sten, die Scheune Tanzfl?che und B?hne und Speisesaal und Wirtschaft zugleich, f?r Hochzeiten. Daf?r muss das nat?rlich alles umgebaut sein. Ist es auch. Aber wer will nicht im Gr?nen auf dem Land an einer Hochzeit teilnehmen, wenn die Sonne nur knapp und f?r kurz hinter dem Horizont verschwindet, es aber nicht einmal wirklich dunkel wird? Laue N?chte auf gr?nen, weichen Wiesen, finnischer Tango in der Ferne, leises Rauschen im nahen Wald. Eben! Und das als Gesch?ftsidee.



Sommer ist es aber nicht. Aber dunkel. Und kalt. Keine Stra?enlaternen f?r Licht, keine Wolken f?r W?rme, kein Splitt f?r die vereiste Stra?e, nicht einmal Verkehr f?r Ger?usche. Nicht nur kalt, sehr kalt. Ausgehauchter Atem steht noch lange in der Windstille. Senkrecht steigt Rauch aus dem Kamin in den Himmel. Von oben blinken Hunderte von Sternen. So viele wie selten. Und die d?nne Mondsichel, knapp ?ber dem Horizont, ?ber dem Wald. Schwarzer Wald, schweigender Wald. Nur der Fahrradreifen knackst ?ber das br?chige Eis. Zumindest wo es knackst. Wo es nicht knackst ist es massiv. Und damit rutschig. Sagt die Erfahrung, das Auge ist blind, denn es ist dunkel. Zu dunkel. Auf der Nebenstra?e knackst es noch h?ufig: gibt Mut. Den H?gel hinab sogar rollen lassen und auf die verschneiten Felder voraus geblickt. Schwarzer Wald als Horizont und schmaler Sichelmond dar?ber. Dann die Hauptstra?e. Zwar kein Verkehr, aber auch keine Fahrradlichter, also Radweg, der knackt nicht. Aber er rutscht.



Trotzdem flott in die Pedale getreten, es ist kalt. Fahrtwind l?sst die Nase kalt werden, die Wangen, die Ohren unter der M?tze. Wer glaubt, dass es Mitte M?rz ist? Finger werden in Handschuhen klamm, aber langsam kommt W?rme von innen. Immer wieder in die Handschuhe geblasen, das w?rmt Finger und Gesicht. Besonders die Wangen. Ohren bleiben kalt: flott voran, es ist kalt. ?ber den Schneefeldern steigt leichter Dunst auf. Aber er steigt erst auf, die Sterne so klar wie selten. Und der r?tliche Mond n?hert sich dem Horizont, dem noch immer waldigen Horizont. Der Radweg bricht durch einen Felsen, den baumbestandenen, den beschneiten, den vereisten. Schmelzwasser des Tages ist Frostwasser der Nacht. Wir lassen es einfrieren am Abend, wir rutschen dar?ber am Morgen. Oder aber Schmelzwasser des Tages als Eisschild am Felsdurchbruch der Nacht, als Glatteis auf der Stra?e und Fahrradfalle auf dem Radweg. Und als Zierde an Dachrinnen und Balkonen und Fensterbrettern. Der im Sternenlicht zwischen den dunklen B?umen stehende Schnee will bewundert werden. Es ist kalt, schnell unterwegs. Eine leichte Kurve, Vorderrad rutscht, Hinterrad rutscht, Fu? rutscht auf dem Boden mit, Hinterrad rutscht nicht mehr, Eisende ist nahe, Vorderrad rutscht nicht mehr, Fu? rutscht weiter. Das Fahrrad wird langsamer, der Fahrtwind auch, Erholung f?r die Nase, die Wangen, die Ohren, das Fahrrad steht. Das Herz schl?gt im Hals und in den k?hlen Wangen, in den Muskeln. Vorsicht, Vorsicht! Das Adrenalin verfliegt nur langsam.

Langsam weiter, die knackenden Stellen suchend. Dann wieder etwas mutiger, schneller zwischen den verschneiten Feldern, den schweigenden W?ldern, unter den blinkenden Sternen, neben dem roter und roter werdenden Mond. Die Stadtgrenze ist gleich erreicht, es gibt Stra?enlaternen, Licht im ?berfluss. Die Radwege sind eisfrei oder splittreich. Die Wangen und Ohren noch immer kalt. Schnell weiter, nicht mehr weit und sie tauen in der W?rme der Neubauwohnung auf. Und schmerzen vom raschen Temperaturwechsel.

Der rote Mond ber?hrt den Horizont und ich sperre die Haust?re auf. Minus 17 Grad, sagt das Thermometer, ein weiter Weg, sagen die m?den Beine, die kalten Wangen und Ohren stimmen zu. Das Eis aus dem Atem am Schal best?tigt beides.
15.3.05 02:03


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