Ferdinand in Finnland
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Gerüche

Irgendwoher kenne ich diesen Geruch! Er ist mir gut bekannt, dringt tief in meine Erinnerungen ein und ist auch darin verwurzelt. Und die Situation muss ganz ähnlich gewesen sein. Sie muss auf eine gewisse Art und Weise parallel gewesen sein. Ich gehe in mein Büro, sitze vor einem Computerbildschirm und sehe aus dem Fenster auf die Häuserlandschaft von Manhattan. Die Straßen schneiden sich tief in das Häusermeer ein. Einige der Wolkenkratzer werden von der tief stehenden Sonne angestrahlt, andere verschwinden schon im Schatten der größeren. Der Verkehr strömt durch das Gitternetz der Straßen, aber gleichzeitig ist er weit weg.

Zwar ist der Geruch nicht angenehm, nicht schön oder positiv besetzt, aber doch ist einiges um ihn herum sehr nett. Der Geruch ist sogar künstlich, chemisch und aufdringlich. Freiwillig würde man sich ihm nicht aussetzen, wäre da nicht diese Erinnerung: Ich sitze vor einem Computerbildschirm und vor dem Panoramafenster - diesmal im Erdgeschoss - liegt ein kleiner, gut gepflegter Garten mit einem künstlichen Teich, dahinter beginnt eine recht befahrene Straße und mehrstöckige, graue Bürogebäude heben sich gegen den blauen Himmel ab, an dem graue Regenwolken in einer solchen Geschwindigkeit vorbeigepeitscht werden, dass sie sich nicht einmal abregnen können.

Die beiden Fenter, die beiden Gerüche. Sie gehören zusammen, das Fenster und der Geruch, der Geruch und das Fenster. Und beides sind Büros, ganz eindeutig, beide haben irgendwo diesen Geruch. Nur wo ist der Zusammenhang?

Ich trinke ein Glas Wasser und merke, ich muss schon wieder auf die Toilette. Am Urinal steigt mir wieder dieser Geruch in die Nase, ich schließe die Augen und sehe ein Bild vor mir: ein rosa Toilettenstein liegt in dem Urinal und verbreitet diesen künstlichen Geruch. Ich blicke auf und sehe aus dem Eingang zur Toilette ein Großraumbüro in dem NAPs bearbeitet werden und reports angefordert werden. Aus dem Fenster des Großraumbüros erkenne ich den Eastpoint Business Park, Dublin, Irland. Ich öffne die Augen wieder, sehe den rosa Toilettenstein und gehe in mein Büro im 13. Stock des German Houses am UN Plaza, Manhattan. Der Geruch haftet noch in meiner Erinnerung.
2.3.06 01:11


iPod

Queens wird bisweilen das "Schlafzimmer New Yorks" genannt, weil hier viele der "brigde and tunnel people" leben, die Leute, die täglich durch Tunnel und über Brücken nach Manhattan pendeln. Sie gehen morgens aus dem Haus, marschieren zügig vorbei an einigen, sich noch unwillig öffnenden Geschäften und halten vielleicht noch kurz an einem der vielen Coffeestands, kleinen Läden oder Ständen, die einen Becher Kaffee zum Mitnehmen für den Weg zur Arbeit anbieten. Dann strömen sie in den Untergrund, in die schmutzigen Tunnel der U-Bahn-Haltestellen, füllen nach und nach die Bahnsteige, bis ein Zug laut ratternd und auf den Schienen tanzen einfährt und sie alle aufnimmt.

Die Züge werden immer voller, je näher sie an Manhattan kommen. Nach und nach steigen Leute zu, immer mehr, bis der Zugführer schon mehrmals mahnen muss, doch weiter in die Wägen hinein zu gehen, damit sich die Türen schließen lassen. Häufig schließen sich die Türen unter dem Gequietsche des Alarms und öffnen sich wieder, denn irgendjemand wurde eingeklemmt.

Viele sind es auch nicht, die Mahnungen und Anweisungen des Zugführers hören könnten. Auch die "packer", die Angestellten des Nahverkehrsunternehmens, die Leute zu Stoßzeiten in die Wagons schlichten sollen, werden nicht immer verstanden, denn viele hier, sehr viele, tragen zum Gewinn einer Computerfirma bei, die ihr Geld mit Musik verdient: Apple. Der iPod ist unter den Pendlern, die schon ab der ersten Station in Manhattan wieder aus der Bahn und auf die Straße strömen, äußerst beliebt. In den Waggons ist es so voll, dass man häufig nicht einmal den Platz hat, um sich ein Buch vor das Gesicht zu halten, geschweige denn eine der großformatigen Tageszeitungen. Deswegen steigen viele auf die digitale Musik als Unterhaltung für den Weg zur Arbeit um: mehr als jeder zweite Fahrgast hat Kopfhörer im Ohr, die meisten von ihnen die weißen, apple-typischen.



Da nun das U-Bahnsystem New Yorks nicht gerade besonders gut finanziert wird, sind die Gleise nicht so in Ordnung, dass die Züge ruhig auf den Schienen dahingleiten würden. Sie rumpeln und scheppern durch die Tunnel, schütteln ihre Passagiere gut durch und quietschen beim Bremsen. Der Fahrgast reagiert auf den Umgebungslärm, indem er die Lautstärke seines iPods aufdreht und in einer Klangwelt nach dem eigenen Geschmack versinkt.

Wenn dann Manhattan erreicht ist, ergießt sich die Menge wieder in die Gänge und Tunnel, strömt auf die Straße und hört weiterhin seine Musik, Nachrichten oder Unterhaltungssendungen. Und bisweilen sonst nichts. So beobachte ich regelmäßig Leute, die beinahe angefahren werden, weil sie die Geräusche der Autos nicht hören, wenn sie über die Straße gehen. Das Ohr spielt bei der Orientierung offenbar eine große Rolle.

Nicht erst seit ich heute gesehen habe, wie lustig es aussieht, wenn ein leicht ergrauter Mann in mittleren Jahren in seinem Anzug einen Satz zur Seite machen muss, um nicht von einem der gelben Taxis angefahren zu werden, lasse ich meinen iPod in und nach der U-Bahn ausgeschaltet. Zum einen verpasse ich sonst vielleicht die Sprünge zur Seite. Zum anderen ist entweder genug Platz für ein Taschenbuch, oder aber ich stehe nahe genug am Ohr eines anderen, um seine Musik mit anhören zu können.
6.3.06 16:55


Eile der Opernkultur

Die Metropolian Opera (oder kurz: die Met), gilt als eines der besten Opernhäuser der USA, vielleicht sogar weltweit. Musiker von Rang und Namen geben sich hier die Klinke in die Hand, die Inszenierungen gelten als richtungsweisend - obwohl sie eigentlich fast immer klassisch sind. Aber nicht nur musikalisch ist die Oper beeindruckend: Das Gebäude liegt im Lincoln Center am Südwestende des Central Parks am Braodway und beeindruckt durch seine Architektur. Die Fassade wird von fünf hohen, schlanken Bögen gebildet, die verglast sind. Steht man in der Dunkelheit vor dem Eingang, strahlen die reich mit Brokat und großen Kronleuchtern ausgestatteten Eingangshallen auf den Vorplatz hinaus.

Auch die Innenausstattung gehört zum Feinsten. Dicke Teppische dämpfen den Schritt, das polierte Messing der Treppengeländer glitzert im hellen Schein der mächtig ausladenden Lampen und imposant ist die Decke des Opernsaals, der in tiefem Himmelsblau gehalten ist, mit reichlich Kronleuchtern zur Verzierung. Man könnte glauben, während der Vorstellung werden die Lichter ausgeschalten, um die Zuschauer nicht von der Bühne abzulenken.

Der Mangel an öffentlicher Finanzierung macht die Eintrittspreise der Oper nicht gerade günstig. Zwar bekommen Studierende auch hier einen Rabatt, aber trotzdem kann es sich wohl kaum jemand leisten, hier allabendlich zu Besuch zu kommen. Auch ich bin erst zusammengezuckt, als ich den Preis für das billigste Ticket erfahren habe. Aber, so dachte ich mir, die Qualität der Musik wird mich wohl dafür entlohnen.

Sa war es dann auch. Ein ganzes Stück weit. Denn der Vortrag der Sänger war äußerst klar, die Töne gut getroffen, das Zusammenspiel mit dem Orchester und im Orchester nahezu perfekt. Jeder Einsatz stimmte, jedeNote saß. Aber orwohl die Musik perfekt gespielt und gesungen wurde, blieb sie doch recht blass in meinen Augen. Das Orchester hat zwar die Noten alle gespielt, die Sänger die Arien und Duette gesungen, aber es fehlte irgendwie der Charakter der Musik, die nichts besonderes sein wollte. Rechnisch einwandfrei, musikalisch aber nicht überzeugend.



Die Met Opera

Das sahen die meisten der anderen Zuschauer anders: immer wenn ein Instrumentalsolo gespielt wurde, oder wenn ein Sopran oder Bariton - seltener der Bass - ein Solostück beendet hatte, setzte brausender Beifall ein, der das weiterspielende Orchester völlig übertönte. Das passte auch zu dem Verhalten einiger Zuhörer vor dem Stück, am Anfang der Pause und am Ende des Stückes. Die Dame ohne feststellbaren Alters neben mir kam etwa erst in die Zuhörerraum, als die Lichter schon ausgegangen waren, der Dirigent schon an seinem Pult stand und auf der Bühne schon die erste Szene mit der Beteiligung zahlreicher Sängerinnen und Sänger begonnen hatte. "Excuse me", bat sie noch mit nicht merklich gedämpfter Stimme, als sie mich beim Ausziehen ihres Mantels anstieß.

Sie gehörte auch immer zu den ersten, die in den Szenenapplaus verfielen. Zudem schien sie zu erahnen, wann die Pause beginnt, denn da war sie schon ander Türe und ließ aus dem Vorraum einen Lichtstrahl herein. Ähnlich machte sie es am Ende es Stückes, als sie, wie noch einige hundert andere im Zuschauerraum noch während des Finales des Orchesters aufstand und ihren Mantel anzog. Die Musiker, die tapfer weiter gegen das Gerausche und die aufwogenden Unterhaltungsfetzen anspielte, konnte das Finale zumindest nicht hörbar beenden, denn die meisten von denen, die nicht sofort aufsprangen, klatschten bereits Beifall.

Während der Verbeugungen der Sänger drängten bereits Massen auf den Auisgang zu, unter anderem die Dame neben mir. Als sie auf den Gang hinaustrat, zwängte sich ein Mann durch, der in einer der ersten Reihen gesessen hatte, denn er habe es eilig. Doch auch die Dame vom Nebensitz war schon in ihrem Mantel und aus der Tür, bevor das Orchester aufgehört hatte zu spielen. Die Opernkultur scheint hier sehr eilig zu sein.

Es wundert mich inzwischen nicht mehr, dass es hier in diesem Haus so häufig "standing ovations" gibt, denn wenn man während des Applauses noch einen Blick auf die Bühne werfen möchte, auf die sich verbeugenden Darsteller und den gefeierten Dirigenten, dann muss man stehen, um die vielen Körper überblicken zu können, die sich gerade in ihren Mantel zwängen.
7.3.06 04:02


Ein neues Land

Fast täglich gehe ich an dem Saal der Generalversammlung vorbei, in dem für jeden der 191 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eine Platzkarte steht. Hin und wieder schaue ich einmal ehrfürchtig in die große Halle mit dem grünen Teppichboden, den langen, hölzernen Tischreihen mit alten cremfarbenen Ledersesseln in der ersten und "unoblauen" Sesseln in der zweiten Reihe, dem großen, runden, goldenen UNO Logo in der Wandvertiefung über dem Rednerpult und dem Pult des Präsidenten und Vizepräsidenten der Versammlung (Bild - so ähnlich habe ich das auch schon bei der Vorstellung des Berichts "Investing in the United Nations - For a Stonger Organisation Worldwide" (pdf) durch Kofi Annan gesehen), und der dunklen Kuppel als Abschluss. Trotzdem habe ich jedes Mal, auch bei den Blicken auf die Tafel mit den UNO-Mitgliedstaaten jedes Mal etwas übersehen.



Doch dann sitze ich heute in einer Sitzung der Statistischen Kommission der Vereinten Nationen und wundere mich, als ein Delegierter das Wort ergreift aus einem Land, das ich noch nie gehört habe. Völlig ungeachtet meiner Verwunderung dankt der Delegierte dem Leiter der Abteilung für Statistik des Generalsekretariats für einen Breicht, den ich nicht gelesen habe, und weist auf die besondere Relevanz des Themas für sein Land hin. Notizen kann ich mir keine machen, ich bin zu verwirrt. Als der Delegierte das Wort an den Vorsitzenden der Sitzung abgibt, dankt der für den Beitrag von Suriname. Offenbar war das Land klein genug und wenig exotisch genug, um mir mit seiner halben Millionen Einwohner über 25 Jahre völlig zu entgehen.

So wie Kolumbus vermutete nur Indien zu entdecken, glaubte ich daran, an diesem Tag nur die Erkenntnis zu finden, dass es mehr Statistiken gibt als ich für nötig halte. Beide haben wir uns getäuscht, beide haben wir neues Land entdeckt.
8.3.06 06:04


Spaß mit der Statistik

Gerade passiert etwas Ungewöhnliches: in der Statistikkommission der Vereinten Nationen wird gelacht. Eigentlich trägt der Vorsitzende der Kommission eher in getragenem Ton knapp vor, wer als nächstes an der Reihe ist, einen der rund 35 Berichte auf der Tagesordnung zu kommentieren. Und gerade ist das ein Beobachter, der in der dritten Reihe dem Pult des Vorsitzenden gegenüber. Sein Statement liest er in stark akzentuiertem Englisch vor, oder vielleicht auch auf Spanisch. Da kommt auf einmal aus der zweiten Reihe, also von schräg hinter mir ein deutlich hörbares gekicher.



Statistik: Hier vielleicht nicht ganz so spaßig

In den ersten beiden Reihen sitzen die Delegationen der Länder, die tatsächlich auch Mitglieder der Statistikkommission sind. Ich bedauere fast, dass Deutschland Mitglied ist, denn dadurch muss außer den drei Delegierten aus dem Statistischen Bundesamt auch immer jemand von der Ständigen Vertretung anwesend sein. Und weil es auch hier keine großen Statistikfans gibt, ist das eben der Praktikant. Das Gelächter kommt von der Vertreterin der USA, einer älteren, aber jung gebliebenen, resoluten Dame, die gerade laut auflacht. Die anderen Delegationen um sie herum - in der zweiten Reihe noch die Briten und die Russen, in der ersten noch Ungarn - beginnen ebenfalls zu grinsen.

Schon den ganzen Tag hatte ich mich gewundert, warum der Irak, der zwar als Mitglied in der Kommission in der ersten Reihe sitzt, nicht anwesend ist. Da bemerke ich, dass eine Saaldienerin gerade das Namensschild des Irak durch ein anderes ersetzt. Neben ihr steht ein schlanker Mann mit schwarzem, schon etwas lichtem Haar, schwarzen Augen und dunkelbrauner Hautfarbe. Fast könnte er Araber sein, aber gewisse Gesichtszüge weisen auch auf einen Inder hin. Als er sich hinsetzt und freundlich lächelnd seinem Tischnachbar, dem Ungarn die Hand gibt, sehe ich, was hier vor sich ging: ersetzt wurde "Iraq" durch "Iran, Islamic Republic of". Das hat die Heiterkeit bei der Dame aus den USA hervorgerufen.
9.3.06 02:20


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