Ferdinand in Finnland
  Startseite
  Über...
  Archiv
  På Svenska
  Suomeksi
  Photos
  Gästebuch
  Kontakt

   Luftgitarren

http://myblog.de/ferkku

Gratis bloggen bei
myblog.de





Policy-making

Inzwischen kenn ich meine New York Times ja ganz gut: das erste Buch enthält die Internationalen und Nationalen Themen, das zweite handelt von der Wirtschaft, dann folgen Lokales, Kunst und der tagesaktuelle Sonderteil. Besonders intensiv lese ich immer den ersten Teil, der zwar mindestens zur Hälfte aus großformatigen Anzeigen besteht, aber trotzdem gut über Weltgeschehen informiert und die Geschehnisse kommentiert.

Von den Kollegen in der VN-Vertretung habe ich mitbekommen, wie intensiv die Verhandlungen im Sicherheitsrat waren, um eine Resolution zum Iran beschließen zu können. Jeweils am nächsten Tag konnte ich den Stand der Verhandlungen auch in der NY Times verfolgen, bis vor einer guten Woche dem Iran 30 Tage eingeräumt wurden, um wieder mit der Internationalen Atomenergiebehörde zusammen zu arbeiten. Nur gestern war der Iran wieder eines der Titelthemen, denn das Land hatte Raketen getestet. Zugleich war im Wissenschaftsteil zu lesen, dass der Iran sich neuerdings um die Raumfahrt bemühe - mutmaßlich mit dem Ziel, Raketen für nukleare Waffen zu entwicklen.



Zwei Iran-Themen an einem Tag? Und das, obwohl die Resolution in trockenen Tüchern ist und die 30-Tagesfrist noch nicht einmal zur Hälfte vestrichen? Das wurde von einer Interessengruppe sofort geschickt erkannt und genutzt.

Auf Seite 7, also so platziert, dass alle an internationaler Politik interessierten Leser die Annonce sehen müssen, inserierte das AJC, das American Jewish Committee, ganzseitig mit einer Landkarte mit dem Iran in der Mitte und zwei schwarzen Kreisen um das Land, einer den Nahen und Mittleren Osten umfassend, der zweite auch Europa, Ostafrika, Russland und Indien. In großen Lettern verkündete die Anzeige: "Can anyone within range of Iran's missiles feel safe?" Darunter dann noch: "Suppose Iran one day gives nuclear devices to terrorists. Can anyone anywhere feel safe?"

So wird hier Politik gemacht!
5.4.06 17:14


Dekoration

In vielen öffenltichen Gebäuden in New York müssen Besucher eine Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen. Dazu gehört fast immer der Durchgang durch den Metalldetektor, für den man den Gürtel, die Schlüssel und den Geldbeutel ablegen muss. Anders ist es auch nicht, wenn man in das VN-Gebäude möchte. Zumindest für Externe. Denn wer als Diplomat oder Angestellter einen so genannten Groundspass hat, darf einfach an der Kontrolle vorbei gehen. Diese Sicherheitsmaßnahme reicht aber nur für den öffentlichen Bereich des VN-Campus' aus. Wer auch in den Arbeitsbereich möchte, muss eine weitere Kontrolle passieren, seinen Ausweis abgeben und sich von jemandem mit Groundspass begleiten lassen.

Von den Praktikanten im Deutschen Haus bekommen nur diejenigen einen Groundspass, die an der Ständigen Vertretung beschäftigt sind. Wegen ein paar Eifersüchteleien in der gemeinsamen Verwaltung von Generalkonsulat und Vertretung bekommen neuerdings die konsularischen Praktikanten nicht mehr diese rote Karte. Um zum Mittagessen in die VN-Kantine gehen zu können - das Essen dort ist preislich sehr viel praktikantenfreundlicher, als sonst irgendwo in diesem Diplomatenviertel - müssen sie sich daher täglich bei einem VN-Polizisten anmelden und ihren Ausweis hinterlegen.

Zwar wechseln auch hier die Schichten und Aufgabengebiete, aber es gibt einen Polizisten, der in den letzten Wochen die Ausweise entgegengenommen hat. Immer freundlich, aber trotzdem streng blickend, nimmt er die Identitätspapiere entgegen, heftet sie an einen Zettel mit einer Nummer, sortiert sie in seinen Karteikasten und gibt einen Besucherpass aus. Dannach wünscht er viel Spaß beim Mittagessen, denn auch er kennt inzwischen seine Pappenheimer. Falls es gerade einmal keine Schlange gibt, ist er auch schon einmal zu einem Witz aufgelegt, spekuliert über Sitzungen im Sicherheitsrat, oder darüber, was es denn zu essen geben könnte. Dann weichen die ernsten Falten in seinem Gesicht auch einmal einem Lächeln oder gar Lachen.



09-11-01 Erinnerungsmedaille

Während er ernst seine Arbeit verrichtet, habe ich mir schon häufiger die vielen Auszeichnungen an seiner rechten Brust angesehen. Zwar sind es nicht so viele, wie man sie von den Bildern sowjetischer Generale kennt, aber doch eine beachtliche Reihe. Sie sind kleine, längliche Metalltäfelchen, die bunt mit dem Anlass der Auszeichnung bemalt sind. Eines zeichnet ihn als schnellen Läufer aus, auch wenn das schon eine Weile her sein muss, denn unterhalb der Brust wölbt sich seine Uniorm über einen üppigen Bauch. Eine andere kennzeichnet ihn als jemanden, der als Feuerwehrmann ausgeblidet ist.

Meine Aufmerksamkeit hat jedoch besonders immer das oberste Abzeichen erregt, das einfach nur mit sechs Ziffern, schwarz auf blau-gräulichem Hintergrund verziert ist: 09-11-01. An einem seiner guten Tage, an denen niemand in der Reihe wartete, habe ich ihn einmal darauf angesprochen. Ob er denn an diesem Datum im Einsatz gewesen sei? Sein Gesicht wird wieder ernst, nachdem wir uns eben noch lachend gewünscht hatten, dass es doch gefüllte Kartoffeltaschen mit Preiselbeeren zu essen geben solle - ein running Gag zwischen uns. Ja, im Einsatz sei er gewesen, sei zum Helfen zu den Trümmern der Zwillingstürme gerufen worden. Es sei schrecklich gewesen, auch wenn er selbst nicht nahe an der Unglücksstelle gewesen sei. Er habe nur den Verkehr umgeleitet, aber die vielen Krankenwagen und Feuerwehrautos hätten ihm schon in den ersten Minuten klar gemacht, dass etwas schreckliches passiert sein musste. Es habe noch einige Tage gedauert, an denen er weiter den Verkehr geregelt habe, bis er völlig verstanden hätte, was dort passiert sei. Zwar sei keiner seiner VN-Kollegen getötet oder verletzt worden, aber viele seiner New Yorker Kollegen.

Auch als wir beim Hinausgehen die Ausweise wieder abholen, sieht er noch etwas betroffen aus, wünscht nur noch knapp einen schönen Tag. In den nächsten Tagen fällt mir das Abzeichen noch bei vielen anderen VN-Polizisten auf und immer wenn es mir ins Auge fällt, denke ich wieder an das ernste Gesicht am Eingang zum VN-Gebäude.
9.4.06 01:39


Baustellen

Eigentlich geht es der deutschen Bauwirtschaft schon seit Jahren uneingeschränkt schlecht. Das sind zumindest die Nachrichten, die ich behalten habe aus den Meldungen der letzten Jahre, was diesen Industriezweig anbelangt. Entweder ist das Wetter zu kalt, oder es gibt keine Investitionsanreize, oder beides. Aber es scheint Ausnahmen zu geben, nein, besser, es muss sie geben!

Auf meiner Suche nach einer unterkunft zur Zwischenmiete in Leipzig bin ich auf eine Wohnung gestoßen, die sehr zentral liegt und äußerst studifreundlich ist: in der Innenstadt und der Name der Straße ist Programm - Universitätsstraße. So bin ich von der Wohnung in drei Minuten, wenn es lange dauert, im Seminargebäude. Doch leider herrscht derzeit an der Uni Ausnahmezustand: sie wir umgebaut.



Baustelle in Leipzig

So habe ich also aus meinen beiden Fenstern den Blick auf die Baustelle der neuen Zentralmensa. Jeden morgen höre ich, wie die Arbeiten dort voran gehen und wie Bauarbeiter eine Wand nach der anderen verschalen und Stahl einflechten. An einem anderen Tag kommen dann die Betonmischer vorgefahren, und die neuen Wände, Deken oder Säulen werden gegeossen. So wächst das Gebäude relativ schnell in die Höhe und die Arbeiter stehen schon auf der gleichen Höhe wie ich, wenn ich morgens aus dem Fenster sehe.

Aber damit noch lange nicht genug. Wegen eines Tunnels unter der Innenstadt hindurch, wegen des Neubau eines großen Kaufhauses, wegen der Neuverlegung von Abwasserkanälen, wegen der Umgestaltung einigen großer Hauptverkahrsstraßen wird in Leipzig zur Zeit an allen Ecken und Enden gebaut. Aber es gibt eine Einschränkung: zum Beginn der Fussball-WM 2006 (*) (**) soll ein Großteil der Baustellen beendet sein.

Nur die Uni möchte erst zu ihrem 600. Geburtstag mit der Neugestaltung des Campuses in der Innenstadt fertig sein. Nicht nur ich, sondern auch noch mehrer meine Nachmieter hier werden also etwas von der Baustelle von dem Fenster haben.

(*) laut Urteil des Bundesgerichtshofs ist dieser Begriff nicht gesetzlich geschützt
(**) schrecklicher Link
30.4.06 15:39





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung