Ferdinand in Finnland
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KommilitonInnen

Er ist ein gut gebauter Mann, der Herr Professor Behn mit einem gewissen Schuss an Humor. Er dürfte so um die 55 Jahre alt sein, hat schlohweißes, kurzes Haar und trägt eine große Brille. Seine stattliche Größe wird dadurch noch unterstrichen, dass er einige Extrakilo mit sich herumträgt. Und er nimmt die Aufgabe ernst, seinen StudentInnen die theoretische Elektrodynamik beizubringen.

Da er aber auch während der Vorlesungszeit hin und wieder zu Vorträgen in seinem Spezialgebiet, der statistischen Physik, eingeladen ist, muss er manchmal Vorlesungen verschieben. Heute zum Beispiel. Da hat er die beiden Vorlesungen von nächster Woche auf den heutigen Donnerstag verlegt, um sich die Reise in die USA guten Gewissens gönnen zu können. Nach den vier Stunden Ma^mmutvorlesung muss er nicht mehr fürchten, die Lehre würde unter diesem Beitrag zur Forschung leiden.

Um die lange Vorlesung etwas aufzulockern, brachte er heute eine Kiste mit Wasser, eine mit Apfelsaft und eine mit Vita Cola ("die hat sogar die DDR überlebt") mit für die Vorlesungspause. Und er unterhielt sich mit einigen seiner Studierenden etwas. Unter anderem mit mir. Seine Reaktion auf meine Antwort, dass ich Physik im Magisterstudiengang zusammen mit der Politikwissenschaft belege, war mir schon von anderen Menschen bekannt: Oskar Lafontaine und Angela Merkel seien ja auch Physiker und Physikerin.



Das Logo des Demokratischen Aufbruchs

Über zweitere wusste er gleich noch mehr zu erzählen, denn die studierte ja auch in Leipzig. Mit ihrem Bruder sei er gut befreundet gewesen, fängt er an zu erzählen, und sie sei auch im selben Hörsaal gesessen. Bei einer Weihnachtsfeier seien sie einmal am geleichen Tisch gesessen, aber ansonsten hätten sie sich nicht viel gesehen. Dafür sei er, Behn, in gewisser Weise für ihre, Merkels, politische Karriere mitverantwortlich.

Eines Abends im Jahr 1989 sei er mit Angela Merkels Bruder am Kurzwellenempfänger gesessen, um die neuesten Nachrichten über die politischen Veränderungen in Europa zu hören. An diesem Tag hätte der Bruder einen Brief von seiner Schwerster Angela bekommen, in dem sie nach der Meinung ihres Bruders fragte, ob es sinnvoll sei, sich dem Demokratischen Aufbruch anschließen solle. Die beiden Freunde hätten sich darüber beraten und ob der Nachrichtenlage seien sie gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, es sei wohl an der Zeit dafür. Er habe den Brief des Bruders noch einmal gelesen, bevor dieser ihn in den Briefumschlag schteckte, und sie seien gemeinsam zum Briefkasten gegangen.

Wer hätte das denn gedacht? Da sitzt man in einem Hörsaal, durch dessen harte Schule auch die Bundeskanzlerin gegangen ist. Dabei wird man unterrichtet von einem Mann, der sich - zugegeben indirekt - für die heutige Bundespolitik mit verantwortlich zeichnet. Aber vielleicht hätte er Frau Merkel ja auch aufgefordert, sich weiterhin an den Leitspruch des Demokratischen Aufbruchs zu halten: ökologisch und sozial.
11.5.06 19:01





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