Ferdinand in Finnland
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In die Welt ist aus der Welt

Es ist Nachmittag, früher Nachmittag, und ich sitze in einem der vielen Rechenzentren der Jyväskylän Yliopisto, der Universität von Jyväskylä. Hier findet der Sprachkurs statt, der 35 StudentInnen - vornehmlich aus Mittel- und Osteuropa - die finnische Sprache und Kultur näherbringen soll. Um interaktiv und abwechslungsreich zu lernen, fand die Stunde am Rechner statt, um einen Internetsprachkurs auszuprobieren. Nach dem Unterricht ist gerade noch etwas Zeit, bevor das verpflichtende und zeitintensive Freizeitprogramm beginnt. In der Tat ist es so intensiv, dass ich den heutigen Tag mit einem Schlafdefizit im zweistelligen Stundenbereich begonnen habe. Aber ich sehe das eher als sportliche Herausforderung, denn als starke Belastung. Seit langem komme ich wieder einmal dazu, mich über die Geschehnisse in der Welt zu informieren.

Gerade bin ich ganz schön erschrocken, als ich mir die Überschriften der Internetzeitungen angesehen habe. Zwar hatte ich vor meiner Ankunft in Finnland noch mitbekommen, dass im Nahen Osten wieder einmal eine Krise am entstehen war. Und vor ein paar Tagen habe ich in einer Unterhaltung über die Ostsee hinweg eine Einschätzung zu den Geschehnissen von einem gut informierten Zeitungsleser bekommen. Dennoch übertrifft das was ich gerade gelesen habe meine Befürchtungen: Es ist nicht nur einfach eine der vielen Krisen, die sich seit Jahrzehnten in und um Israel aneinander reihen, sondern das ist ein neuer Krieg. Das ist die Hauptbotschaft, die ich den paar Artikeln entnommen habe.



Weiterhin scheint es mir, als gäbe es keinerlei Reaktion auf die Geschehnisse. Effektive sowieso nicht. Aber wie werden diese Ergebnisse wohl in Finnland aufgenommen. Das Land macht sich seit 51 für effektive Vereinte Nationnen stark, setzt bei der Konfliktlösung auf Diplomatie und ist in der Vergangenheit recht erfolgreich gewesen mit dieser Strategie. Nicht umsonst fand die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die Vorgängereinrichtung der OSZE in Helsinki statt. Zur Zeit hat Finnland auch die EU-Ratspräsidentschaft inne und wird schon deswegen auf Diplomatie setzen. Aber die scheint im Moment kläglich zu versagen, weil es keinen Konsens gibt, dass Frieden das oberste Ziel ist.

In die Welt ist aus der Welt. Eigentlich soll reisen ja bilden, aber es erschreckt mich, wie spurlos ein neuer Krieg an mir vorbeigehen kann. Ich werde mir gleich noch eine finnische Zeitung besorgen gehen, obwohl ich es schon wieder eilig habe, um am Kursprogramm teilzunehmen.
3.8.06 14:51


Nicht alle rot...

Nein, heutzutage sind sie nicht mehr alle rot. In den etwas größeren, dichter besiedelten Ortschaften hat der Trend schon vor längerer Zeit eingesetzt. Aber jetzt findet man sie auch auf dem Land, insbesondere unter den neueren.

Der Sommer ist die Zeit, zu der Holzhäuser errichtet werden. An den sandigen Nebenstraßen im südlichen Finnland, dem "Staufinnland" wie es von den Leuten aus dem Norden genannt wird, stehen im späten Sommer viele bleiche, kahle Balkengerippe, ohne Dach, ohne Wände. Aber wenn alles gut geht, sind sie bis in den späten Herbst bezugsfertig und dann auch schon angestrichen. Neben dunklem Rot war auch ein etwas beiges Gelb schon lange unter den beliebten Holzhausfarben. Blautöne, helleres Rot und sogar kalte, grünliche Töne sind zu finden.

Gebündelt werden die neuesten finnischen Wohntrends bei der jährlich stattfindenden Wohnungsmesse. Für mehrere Wochen im Sommer werden die Wohnungen und Häuser in neuen, speziell dafür ausgesuchten Wohngegenden für Besucher geöffnet. Nicht nur Fachbesucher für Inneneinrichtung und Architekten interessieren sich für die Ausstellung, auch einfache Häuslebauer, solche die es werden wollen und solche die es einmal waren, drängen sich durch die Wohn-, Schlaf-, Badezimmer und Küchen. Eine Freundin etwa, Henna, die sich gerade mit ihrem Freund ein Haus baut, hat jedes einzelne der um die 100 Badezimmer photografiert, um daraus etwas ganz eigenes zusammenzustellen.



Hier ganz in rot...

Aber die Messe ist in die Kritik gekommen. Genannt wird als Grund für den Einbruch der Besucherzahlen - immerhin haben 30.000 Menschen weniger Eintritt bezahlt als erwartet -, dass die Schau zu nahe an Helsinki war, in Espoo. In der selben Gegend, der Hauptstadtregion mit rund 1 Millionen Bewohnern, war sie bereits in der Vergangenheit veranstaltet worden. Das ändert nichts daran, dass noch rund 270.000 durch die Wohnungen gezogen sind. Ein Mieter in den neuen Wohnungen teilte die Klage der Veranstalter nicht, kann er doch nun endlich zurück in seine Wohnung ziehen. Und auch den Negativrekord in Bezug auf Besuchermassen hatte Oulu zu verzeichnen, eine Stadt mit rund 100.000 Einwohnern, wo 2001 "nur" 219.000 Messebesucher zu verzeichnen waren.

Noch vor zwei Wochen wusste Henna nicht, welche Farbe denn nun ihr neues Haus bekommen sollte. Von der Messe hat sie zwar Anregungen mitbegracht, sich aber noch nicht entschieden. Falls ihr sonst nichts einfällt, wird es eben ganz traditionell: rot.
21.8.06 18:13





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