Ferdinand in Finnland
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Anden

Die Anden müssen ein wunderschönes Gebirge sein. Und die Bilder, die ich von dort gesehen habe, bestätigen das. Mit knapp 7000 Metern erreichen die Berge eine Höhe, in der das Atmen schwer fallen muss, der Himmel im Zenit dunkler wird und Schnee und Eis trotz der tropischen Hitze in den Tälern das ganze Jahr die ansonsten kahlen Felsen bedecken. Dabei ist die Gegend so unwirtlich und war lange weit entfernt von den Pfaden der weltweiten Touristenströme, dass sich erst in letzten Jahren Bergsteiger in nennenswerten Zahlen hierher gewagt haben.

Wege sind hier nicht markiert, Schutzhütten gibt es kaum. Will man hoch hinaus, ist man auf die Leistungen von Bergführern und Eseln angewiesen, auf die einen, um den Weg zu weisen, auf die anderen, um das Gepäck für die Basislager zu transportieren. Und Material wird vieles benötigt: von Kleidung und Bergausrüstung über Brennholz, Lebensmittel und Futter für die Esel muss alles mit in die Berge genommen werden.

Eine Tour beginnt mit dem Allradfahrzeug. Aus der exotisch anmutenden Indiostadt hinaus geht es bergan, noch durch ein paar abgelegene Dörfer, dann erklimmt der Jeep die steilen Serpentinen so weit, wie der Motor in der dünner werdenden Luft keuchen kann oder wie das Gelände auch nur halbwegs ausgebaute Wege zulässt. Hier liegen die Basislager, spätestens hier sollte man sich Bergführer und Esel buchen, wenn man höher hinaus will.



Selbst gemacht vom Bergsteiger: Andengipfel.

Und er wollte höher hinaus. Eigentlich immer wollte er so hoch hinaus, wie es ging, immer die Grenzen antesten, manchmal auch überschreiten. Wer sonst besteigt allein im November bei Sturm einen durchaus anspruchsvollen 4000er? Wer ist von 86 Stunden, die er in Berlin ist, 78 Stunden unterwegs und auf den Beinen? Wer sonst schläft höchstens jede zweite Nacht für ein paar wenige Stunden?

Und er ist hoch hinaus, bis auf den Gipfel eines 6000 Meter hohen Berges. Nicht alleine, sondern mit Bergführer. Die Esel sind schon weiter unten am Berg geblieben. Doch es ging ihm zu langsam, er wollte schneller. So stand er auf dem Gipfel, so wollte er mit dem Snowboard abfahren. Doch dort ist er auch geblieben.

Gletscherspalten sind gefährlich, das wusste er auch. Doch er hat sie nicht gesehen, nicht sehen können. Eigentlich ist dies der fast logische Abschluss eines erfüllten Lebens. Aber jeder Abschluss eines Lebens hinterläßt Schmerz, besonders dann, wenn er allzu früh geschieht. Ja, es tut weh, noch immer jeden Tag, auch wenn man meinen könnte, sechs Wochen sind viel Zeit, um sich an etwas zu gewöhnen.

Ich mag die Anden gerade nicht mehr besonders gut leiden.

Sicherlich werden es nach und nach weniger Ergebnisse werden, die hier zu finden sind:
- Altavista: Joppelandia
- Blogspot: endet am 4.8.2006
- Joppes Bilderbuch
- Altavista: Joppelandias Plazes
7.9.06 11:40


Nachbarn

Die Geschichte der finnischen Unabhängigkeit ist noch nicht besonders lange. Bis 1917 wurde das Land abwechselnd von seinen westlichen und östlichen Nachbarn kontrolliert, erschlossen, besetzt, ausgebeutet - ja nach Sicht. Zwar dauerte der Einfluss der Schweden länger - sie haben im Lauf der Zeit zahlreiche Siedler mitgebracht, die jetzt als Finnlandsschweden als Minderheit mit den weitreichendsten Rechten gelten - doch wurde die Unabhängigkeit 1917 unmittelbar nach der Oktoberrevolution dem russischen Zarenreich abgerungen.

Vor diesem Hintergrund könnte man meinen, die Finnen hätten Grund, sich von zumindest diesen beiden Nachbarn abzugrenzen. Norwegen, das dritte Land, mit dem Finnland eine gemeinsame Landgrenze hat, war selbst lange Zeit Opfer des schwedischen Großmachtstrebens. Doch die Abgrenzungen und subtilen Animositäten sind doch recht einseitig und auf Russland bezogen. Liegt die schwedische Erfahrung einfach länger zurück?

Ein Blick auf die Landkarte mag verdeutlichen, weshalb Russland und nicht Schweden bei einfachen Finnen negative Assoziationen hervorruft: Die 1100 Kilometer lange finnische Ostgrenze - gezogen 1941 nach dem Winterkrieg, der Verteidigung Finnlands gegen einen Überfall der Sowjetunion - gilt als die EU-Außengrenze mit dem stärksten Wohlstandsgefälle. Und dabei leben auf der anderen Seite die Karelier, ein Volk das über seine Sprache eng mit den Finnen verwandt ist.

Ein gutes Beispiel für die mangelnde gegenseitige Nachbarschaftsliebe nördlich des finnischen Meerbusens war im Juli am Himmel über Helsinki zu sehen: Der Horizont war dunstig, direkt etwas rötlich, obwohl der Himmel ansonsten wolkenlos war. Eindrücklicher noch war der Geruch. In ganz Südostfinnland roch es nach Rauch, als würde man am Lagerfeuer sitzen, vielleicht ein bißchen verdünnter und kälter nur. Die Ursache waren ausgedehnte Waldbrände in Nordwestrussland, die seit Tagen, Wochen gar, schwelten und sich weiter ausbreiteten.

Als in Helsingen Sanomat, der größten nordischen Tageszeitung, die wanchsende Feinstaubwerte kritisiert wurden und sich eine ältere Frau von der Ostgrenze in einem Leserbrief beschwerte, dass sie ihre Wäsche gar nicht mehr zum Trocknen ins Freie hängen könne, bot die finnische Regierung Amtshilfe an. Sie sei bereit Löschflugzeuge und Spezialisten zur Unterstützung der völlig überforderten russischen Feuerwehren zu schicken. Das schlug Moskau aber aus, so dass die Wäsche weiterhin nach Rauch stank, bis der Wind sich drehte und Regen brachte.



Die Mannerheim-Reiterstatue vor dem Reichstag in Helsinki

Doch auch in der Vergangenheit grenzt sich das offizielle Finnland vom Osten ab. Derjenige Mann, der am ehesten als Verteidiger der finnischen unabhängigkeit gelten kann, ein General namens Mannerheim, wird im ganzen Land mit Straßennamen, Statuen und Gedenksteinen geehrt. Sein Reiterstandbild vor dem Parlament wird als herausragende Sehenswürdigkeit Helsinkis gehandelt und im niedrigen Kiefenwald auf der sandigen Halbinsel von Hanko wird mit großen Hinweisschildern auf der Nationalstraße beworben.

Biegt man dann tatsächlich von der ausgebauten Straße zum südlichsten Zipfel finnischen Festlandes ab, endet die Teerstrecke schnell. Vorbei an geisterhaft verlassenen und verfallenden Betonbunkern, häßlichen Einfamilienhäusern aus den 50er und 60er Jahren und dem Fuhrpark eines Entworgungsunternehmens gelangt man auf einen schlaglochübersäten Waldweg. Weitere Schilder ermutigen den Besucher, doch jetzt nicht aufzugeben und zurück zur Nationalstraße zu fahren. Wer weiter in den Wald vordringt gelangt schließlich an einen großen roten Stein. Die Inschrift gibt an, dass er diejenige Stelle markiere, an der Mannerheim stand, als er den Befehl gab die russischen Truppen anzugreifen, die bei Hanko ihre Stellungen hatten. Sonst gibt es nur eine Gabelung der Waldwege, die beide in die endlose Leere des finnischen Waldes führen.

Die Unterschiede in den Beziehungen zu den beiden Nachbarstaaten verdeutlicht dieser Stein ganz besonders: während auf der nahen Nationalstraße russische LKW der finnischen Wirtschaft zum Wachstum verhelfen, markiert der Stein den Krieg mit dem östlichen Nachbarn - mit einer Inschrift auf finnisch und natürlich auch schwedisch!
8.9.06 19:08





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