Häufig werden sie "Bullen" genannt, die Männer und Frauen in Grün und manchmal auch blau, die sich selbst gerne als "Dein Freund und Helfer" bezeichnen. Offenbar wirkt diese Imagekampagne noch nicht genug, so dass der Spruch für die Werbung von Nachwuchs jetzt lautet: "Polizist - ein Beruf so aufregend wie das Leben".
Aufregend ist es in der Tat vor allem für die Jüngeren, denn sie sind es, die immer dann in der ersten Reihe stehen, wenn es brenzlich werden könnte. Mit Brust-, Schienbein- und Armpanzern, mit Helm, Kabelbindern am Gürtel und Schlagstock werden sie oft wie Zinnfiguren auf dem grünen Tisch hin und her geschoben. Die Aufregung kann man einer Reihe gepanzerter Ordnungshüter schon ansehen: Wie sie von einem Bein auf das andere treten, sich ihrer Ausrüstung vergewissern, das alles zeigt häufig schon von vornherein, welche Polizeikette als nächstes Demonstranten von der Straße schieben muss. Dabei haben sie sich bei mir schon häufiger unbeliebt gemacht, wenn sie etwa ziellos auf Unbeteiligte einschlagen, weil der Knopf im Ohr "Knüppel frei" plärrte. Häufig auch dann, wenn sie auf einer Demonstration anfangen herumzuschubsen und jeden, der ihnen im Weg steht, unbegründet duzen. Ein amüsanteres Phänomen dagegen ist, wenn ein Bayer mitten in Dresden erklärt, dass man eine bestimmte Straße nicht nutzen dürfe, weil die geschlossen sei. Fast kann man sich sicher sein, dass er selbst keine Ahnung hat, welche Wege offen sind und wie ein bestimmtes Ziel zu erreichen wäre: "Ich bin hier auch fremd", versucht er sich zu entschuldigen.
Helm, Schlagstock, Sturmhaube, Schienbeinpanzer, Brustpanzer, Armpanzer... Was man nicht so alles braucht!
Beides macht die Polizeieinheiten, besonders wenn sie gepanzert angetroffen werden, doch sehr unsympathisch. Ich gebe zu, ich habe mich schon mehrmals dabei ertappt, wie ich vor mich hin "Bulle" kombiniert mit einem Schipf- oder Fäkalwort gemurmelt habe. Ich dachte das etwa von den beiden Staatsdienern, die mich im November regelrecht verprügelten. Brüllend und knüppelschwingend rannte eine Meute von ihnen - anders kann man die Gruppe von etwa 70 Männern und Frauen nicht beschreiben - die Dorfstraße in Metzingen entlang. Mir meiner Unschuld in jeglicher Hinsicht bewußt, wich ich in Richtung Straßenrand zurück. Ich trabte, fast mechanisch, in die gleiche Richtung wie die brüllenden Gewalttäter, als einer sich vor mich stellte und von der Straße wies. Noch auf dem Weg auf den Gehweg versuchte mich ein Kollege von ihm auf das Trottoir zu schubsen, was jedoch fehlschlug: Vor lauter Panzerung, mit Schlagstock und Helm war er so überfordert, dass er selbst stolperte.
Das wiederum gefiel dem ersten der beiden nicht, der mich anschrie, ich hätte einen Polizisten angegriffen - wobei ihm zugute gehalten sei, dass er mich dabei wenigstens siezte. Dafür machte er meines Ermessens einiges anderes falsch, als er mich gegen einen parkenden Kleinbus stieß und gemeinsam mit dem gerade wieder Aufgestandenen seinen Schlagstock an mir ausprobierte. Bald darauf rannten sie weiter - und mir blieben ein paar blaue Felcken.
Aber auch hier gibt es eine amüsante Seite: Bei diesem Einsatz vorlor einer der Ordnungshüter irgendwo auf der Dorfstraße von Metzingen seine Dienstwaffe, nicht den Schlagstock, sondern die Pistole. Damit hat er eine Unordnung angestellt, denn er und seine Kollegen mussten dann in der Dunkelheit nach dem Schießeisen suchen - und dabei sahen sie recht peinlich berührt aus. Weil meine Strafanzeige gegen die Prügelnden mangels Feststellbarkeit der Täter eingestellt wurde, glaube ich ein Recht zu haben, Polizei nicht mehr mögen zu müssen. Aber manchmal gibt es Ausnahmen.