Ferdinand in Finnland
  Startseite
  Über...
  Archiv
  På Svenska
  Suomeksi
  Photos
  Gästebuch
  Kontakt

   Luftgitarren

http://myblog.de/ferkku

Gratis bloggen bei
myblog.de





Der Wind st?rmt ?ber die Kaimauer hinweg und l??t die Regentropfen nahezu vertikal in der Gesicht prasseln. Die Tropfen kommen nur noch leicht von schr?g oben. Der Weg f?hrt von dem abgesprengten Fels kommend an der Mauer entlang, die auf der windabgewandten Seite trocken ist. Windig und regnerisch ist es schon den ganzen Tag, aber am Hafen und von der See kommend ist der Wind noch entscheidend st?rker. Immer wenn eine B?e den Kai ?bersteigt, wird es anstrengend gegen den Wind vorw?rts zu laufen, die Tropfen schmerzen beinahe im Gesicht und das Prasseln an den schweren Rucksack wird deutlich h?rbar. N?her an der Mauer gehen hat den Vorteil, dass man weniger nass wird, und weniger kalt is es im Windschatten auch.

Die Mauer ist lang, wenn man an einem solchen Abend mit Gep?ck an ihr entlangl?uft. Noch viel l?nger ist aber der Zaun auf der anderen Seite der Stra?e. Er trennt die Hafenanlage ab, die einen beachtlichen Teil der Stadt einnimmt, schneidet aber auch den direkten Weg vom Bahnhof zum Kai ab, so dass die Strecke beachtlich wird. Immerhin bietet f?r einige Meter eine verfallende Lagerhalle Schutz vor dem Wetter und der Zaun wird durch graue Mauern, zugenagelte Tore und glaslose Fensterrahmen ersetzt. Auf der Rampe liegen die Scherben als Ergebnis der Steinw?rfe von Kindern oder Jugendlichen, wahrscheinlich schon seit Jahren. Beim Sprung von der Rampe zur?ck in den Regen dr?ckt der Rucksack noch schwerer auf die Schultern und der Split auf der Stra?e, gestreut als vor einigen Wochen Schnee lag, knirscht unter der Last. Aber das Ende der Mauer ist in Sicht, der Kai endet mit einem Signalt?rmchen und dort muss auch das Ziel sein.

Im Scheinwerferlicht steht eine na?glitzernde Schlange Autos und wartet darauf abgefertigt zu werden und in den Hafenbereich gelassen zu werden. Aber der Schlagbaum hebt sich nur selten und l??t die Reihe nicht k?rzer werden, weil sich noch immer Neue den Wartenden anschlie?en. Kurz nach der Autoschlange bietet eine zweite Lagerhalle Schutz, diese allerdings renoviert, hell erleuchtet und offenbar das Ziel des Marsches durch das Wetter. Als die richtige T?re gefunden ist, gilt es auch f?r die wenigen Menschen Schlange zu stehen, die in dem gro?en Raum der Halle etwas verloren wirken. Es ist kein Schlagbaum der sie aufh?lt, sondern eine Theke aus Milchglas auf der die Angestellte in einer Schale Lebkuchen mit viel zu bunter Zuckerglasur anbietet w?hrend sie die Bordkarten ausstellt. Mit den Sprachen kommt sie ein wenig durcheinander, als sie nach Reservierungsnummern und Nachnamen fragt: eben noch Russisch, schon Finnisch, dann Deutsch und Englisch, nach einem zweiten Mal Russisch noch Schwedisch und sie w?hlt versehentlich die falsche Sprache.

F?r die fr?hliche Verk?uferin in der benachbarten Cafeteria ist es viel einfacher. Zum einen hat sie weniger Kunden, die daf?r immer wieder kommen, und zum anderen verlangt sie dass man Finnisch, Schwedisch oder Englisch versteht. Ansonsten zeigt sie einfach auf die digitale Anzeige der Kasse und verzichtet darauf, einen guten Apetit zu w?nschen oder sich f?r die Bestellung zu bedanken. Die Mehrzahl der G?ste ist damit zufrieden: drei Finnen, um die 50 Jahre alt, bestellen sich noch eine Runde Bier, zwei Z?llner, auff?llig mit ihren grellgelben Warnwesten, plaudern bei einer Tasse Kaffee ?ber das schrecklich nasse Wetter und der glatzk?pfige Mann mit Krawatte und dem Piraten-Emblem auf dem Jacken?rmel nippt im Stehen an seinem Espresso. Mit der Kassiererin unterh?lt er sich auf Schwedisch und nachdem beide mehrmals laut aufgelacht haben bl?ttern sie in einem Katalog und sehen sich K?chenmesser an. Der Pirat mit Hemd und Krawatte fragt nach,welche Messer denn in der Cafeteria benutzt werden und probiert deren Sch?rfe aus, indem er sich die H??rchen von seinem Handr?cken rasiert. Es bl?st die Haare von der Klinge und legt die Messer zur?ck in ihre Schuber. Damit ist auch die Unterhaltung beendet, der Glatzk?pfige zahlt und geht zur?ck in die noch immer leer wirkende Wartehalle.

Als das Warten vor?ber ist, erklimmen die Passagiere ein hohes und fast freistehendes Treppenhaus. Die Stufen und die metallernen W?nde hallen von den Schritten und dem Sturm, der den Turm umweht. Oben angekommen, schlie?t sich eine Gangway an, die von dem Wind zu leichen Schwingungen angeregt wird. An die Fensterscheiben h?mmern die dicken Regentropfen und das Wasser wird durch die Dichtungen gedr?ckt, so dass sich Pf?tzen auf dem Boden bilden. Die R?hre f?hrt zun?chst an dem gro?en rot-wei?en Schiff entlang und dann direkt auf es zu. Am ?bergang in das Schiff wird die St?rke der Schwankungen deutlich: Zus?tzlich zu den langsamen Bewegungen des Schiffes mit dem Wellengang, verschiebt sich die Gangway hoch ?ber dem Boden in schnellen Bewegungen um mehrere Zentimeter relativ zum Schiff.

Nachdem das Schiff aus der Sichtweite des Festlandes und schlie?lich auch der vorgelagerten Inseln ist, beginnt der Seegang zuzunehmen und der Sturm intensiviert seine Kraft. Sie h?lzernen Jalousien schlagen im Takt der Wellen gegen die Fenster, die Vorh?nge bewegen sich unregelm??iger und geben auch kleineren Schwankungen nach. Auf dem Deck stehend ist rund um das helle Schiff nur Dunkelheit zu sehen. Der Horizont ist nicht erkennbar, auch keine Bojen mehr. Der Sturm macht es unm?glich ohne sich festzuhalten aufrecht zu halten, der schwere Seegang tr?gt das Seinige dazu bei. Dem Wind entgegen f?hrt das Schiff auf dem dunklen Meer und peitscht die Flut auf, wenn es durch die Wellen pfl?gt.
19.12.04 12:42
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung